Liturgie

Diakon - Liturgischer Kleiderständer II

Manch ein Priester meint, er brauche keinen Diakon an seiner Seite. Entweder weil er alles auch selber machen kann (er ist ja immer auch noch selbst Diakon) und/oder alles dann einfacher ist und/oder weil sonst sich die Gemeinde beschwert weil zu viele Männer am Altar stehen ... und deshalb/oder weil der Diakon ja nur ein liturgischer Kleiderständer ist. Da hat dann er im einfachsten Fall was nicht verstanden: der Diakon repräsentiert den dienenden Christus. Und wenn er, oder auch andere Pastorale Mitarbeiter, Liturgische Dienste oder gar Gemeindemitglieder diesen Dienst für überflüssig halten, dann ist er und sie alle noch schlimmer dran als Petrus. Dieser wollte sich aus Demut nicht dienen lassen, der Priester will sich aus Überlegenheit nicht dienen lassen? Wenn er den Diakon abweist oder gar wegschickt, schickt er den dienenden Christus weg. Und von wegen liturgischer Kleiderständer: bei mir hat man sich schon bedankt, weil ich in einem unruhigen Gottesdienst so ruhig geblieben bin und damit für manches Gemeindemitglied dann der Ruhepol war, welcher ihnen ermöglichte manches unerträgliche in unseren so "verkasperten" Gottesdiensten zu ertragen. Mit diesen Gedanken rede ich aber nicht nur den Priestern und Bischöfen oder auch manchen Gemeindegliedern ins Gewissen sondern auch manchem meiner Mitbrüder im Diakonenamt: Nehmt euch und euren Dienst ernst, selbst wenn Ihr nichts tut, dann tut dies mit geistlicher Haltung. Und die liest man ab an eurer Körperhaltung und Körpersprache, an eurem Gewand und eurer Stola. Achtet auf all dies, denn es wird sehr wohl von manchen Gemeindegliedern wahr genommen.

Diakon - Liturgischer Kleiderständer I

Strahle Ruhe aus, strahle Heiligkeit aus, strahle Erdung aus. Strahle Gegenüber aus. Strahle Verbundenheit aus. Strahle Konzentration aus. Deshalb achte darauf wie Du stehst: gerade, nicht in der Gegend herumschweifend, die Hände unter den Ärmeln verborgen oder zur Schale locker ineinander gelegt, Auf deinem Gesicht ein leises, ja stilles Lächeln wenn Du anderen begegnest, Einen konzentrierten Blick wenn Du als Diakon handelst. Den Blick nur auf das Evangeliar wenn du es verkündest, Den Blick zur Gemeinde wenn Du zu ihr predigst. Dein Gewand ist das Gewand Christi, darum soll es edel sein und nicht einfach nur praktisch. Deine Stola ist dein Amtszeichen, sie soll keine liturgische Litfaßsäule mit allerlei bunten Bildchen sein, sondern schlicht - und vor allem soll sie locker passen und nicht wie eine zu enge Hose dich unter den Achseln umgürten ...

Betretenes Schweigen ...

… oder überschwängliches Klatschen, Singen und Tanzen? So scheint es zu sein – zwei Lager, die sich unverständlich gegenüberstehen und dem jeweils anderen die Schuld geben, warum niemand mehr in einen Gottesdienst kommt.

Apostolisches Glaubensbekenntnis

Das apostolische Glaubensbekenntnis wird in jeder Messe, bei jeder Taufe und auch anderen Begebenheiten gesprochen. Selbst Christen, die nicht regelmäßig oder nachmal auch gar nicht mehr in die Kirche gehen, können es auswendig. Es ist ein Bekenntnis, in dem jedes Wort genau bedacht ist und seine Bedeutung hat und die Väter der Kirche viel darum gerungen haben. Jeder, der es spricht, bekennt sich zu einer existentiellen, grundlegenden Glaubenseinstellung. Nun ist es nicht abzustreiten, dass das regelmäßige Beten in den Gottesdiensten auch zu einem Automatismus führt, die Bekennenden nicht mehr bewusst sagen was sie glauben. Um dem entgegen zu wirken, versuchen sich manche an Umformulierungen, die inhaltlich das gleiche sagen aber mit anderen Worten – dies tun sie, um die Bekennenden wieder aufmerksamer zu machen. Das ist gut gemeint. Aber ist es auch gut? Wie gesagt, das apostolische Glaubensbekenntnis ist die Essenz des christlichen Glaubens um die viele viel gerungen, ja gekämpft haben und auch heute noch viele sogar ihr Blut dafür geben müssen. Es muss also wohl bedacht sein, was da bekannt wird – es kann manchen das Leben kosten! Nun gehen also wohlmeinende Liturgen her und geben den Gottesdienstbesuchern idealer Weise schon vor dem Gottesdienst eines dieser wohlmeinend umformulierten Bekenntnisse an die Hand, damit dann im Gottesdienst alle schön brav das "Alte" neu verpackt bekennen. Ist das gegenüber dem Gottesdienstbesucher fair? Es wird ihm ja nicht nur unterstellt, er bekenne sich nicht mehr bewusst, sondern es wird von ihm erwartet, dass er kurzfristig ein Bekenntnis spricht, welches er kaum vorher überprüfen konnte, ob es das richtige ist! Das ist in gewisser Weise fast Nötigung! Es ist schon schlimm, wenn man das Kleingedruckte von Verträgen kaum in Ruhe lesen kann, aber es geht eigentlich gar nicht an, so mal eben nebenher in einem Gottesdienst sich ungeprüft zu etwas zu bekennen, was andere mal so eben umformuliert haben. Wer so etwas von den Gläubigen, den Gottesdienstbesuchern erwartet, ist nicht modern oder aufrüttelnd, nein er ist unverantwortlich und überheblich, weil er über die Bekennenden hinweg geht, ihr Bekenntnis nicht ernst nimmt und es missachtet!

Weihrauch

Wenn ich in unsere katholische Kirche gehe, dann kommt mir besonders in diesen österlichen und pfingstlichen Tagen schon beim Überschreiten der Schwellen ein ganz besonderer Duft entgegen, Weihrauch! Schon allein dieser Weihrauchduft macht mir in wunderbarer Weise deutlich: ich betrete einen Heiligen Raum. Der Duft öffnet meinen vom Alltag beengten Blick. Dieses Erlebnis ist beispielhaft für das, was unsere Kirche nicht nur als Gebäude ist: Heiliger Raum! Alles, was in ihr geschieht, soll einen Vor-Geschmack des Heiligen, des Himmels vermitteln. Alles was sie tut, was sie sein will und wie sie sein will, ist dem verpflichtet! Es geht nicht darum, die Welt abzubilden, sondern den Himmel! Kirche ist zuallererst Zeichen, Sakrament! Sie ist nicht sich selbst oder der Welt geschuldet, sondern Gott. Das ist keine Weltfremdheit sondern Weltzugewandtheit. Denn dadurch dass die Kirche nicht Teil von oder gar Eins mit vielen weltlichen Dingen ist sondern Zeichen einer größeren Wirklichkeit, steht sie der Welt gegenüber und damit zugewandt. Dies, um der Welt ein Zeichen der Hoffnung zu geben, dass die Welt nicht auf sich selbst geworfen ist sondern begründet und geborgen ist in der Unendlichkeit Gottes.

Leere und Stille

In Anlehnung an „Krug und Stille“: So wie eine Zeichnung oder ein Gemälde auf einem leeren Papier oder auf einer weißen Leinwand entsteht und darauf lebt, so ist die Stille der Grund, auf dem Wort und Musik oder auch Gesang und Gebet Gestalt annimmt und lebt. Allzu oft wirkt dann Klatschen oder sonstiges Kommentieren im Gottesdienst oder in einem Konzert wie ein Bilderrahmen, der nicht zum Bild passt und der, statt das Bild zu halten, seine ganze Schönheit stört oder gar zerstört.

Brüder und Schwestern

„Liebe Brüder“ oder „Liebe Schwestern und Brüder“. Die Bemühungen um Gleichberechtigung von Mann und Frau haben auch dazu geführt, dass von Lektorinnen und Lektoren beim Vortragen der Lesungen (Perikopen) die Grußworte „Liebe Brüder“ erweitert wird in „Liebe Schwestern und Brüder“, meist ist dies in den Gemeinden unter Lektorinnen und Lektoren und Gemeindeleitern so abgesprochen. Begründung: mit den Texten sollen alle Hörerinnen und Hörer unserer Zeit angesprochen werden. Was ist jedoch mit dem weiteren Inhalt, wenn wie z.B. jetzt am Hochfest der Gottesmutter Maria in Gal, 4,4-7 auch im weiteren Text die Rede von „Sohnschaft“ und „Söhnen“ ist? In der Weiterführung obigen Denkens müssten dann auch hier von der Lektorin und vom Lektor „Tochterschaft“ und „Töchtern“ eingefügt werden – damit sich in unserer heutigen Zeit alle nicht nur von der Anrede zu Beginn, sondern auch vom Inhalt des Textes selbst angesprochen fühlen. So müsste auf die Spitze getrieben in aller letzter Konsequenz gar im Evangelium des gleichen Tages Lk 2, 16-21 dann den Hirten auch noch die Hirtinnen zugefügt werden … spätestens hier wird deutlich, dass die Lektorin oder der Lektor nicht eine politisch korrekte Rede vorträgt sondern ein historisches Zeugnis, welches zuallererst an die zur entsprechenden Zeit lebenden Zuhörer gerichtet und in eben dem damaligen Sprach- und Kulturkontext gehalten war. Gerade z.B. die vielen Briefe des Paulus waren an ganz konkrete Zeitgenossen (und Zeitgenossinnen) gerichtet. Es ist Sache der oder des Auslegenden, der Predigerin oder des Predigers, die historische Botschaft ins heute zu übersetzen, in ihrer oder seiner Predigt, nicht aber schon im Vortrag des Lesungstextes selber. Sonst könnten wir bei vielen anderen Texten, auch an denen des Ersten Testamentes, schon beim Vortrag selber den Rotstift sowohl bei der Anrede als auch der inhaltlichen Aussage ansetzen. Wir würden dann – egal ob Mann oder Frau – z.B. statt „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ lesen: „Wenn Dir Eine oder Einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihr oder ihm auch die linke hin“. Dies wäre Anmaßung, genau so eine Zeit ausblendende Vereinnahmung, ja gar Verfremdung von Erstem Testament durch das „drüberlesen“ des Zweiten Testamentes, der Perikopen wie der Epistel, durch die Brille unserer heutigen, von der Gleichberechtigung geprägten Zeit. Die Bibel mit ihren vielen Reibungen sollte im Rezipieren nicht geglättet, historische Inhalte nicht ausgefiltert werden, den sie soll nicht verharmonisieren sondern wachrütteln. Davon unberührt bleibt, dass sie durch unser Zeugnis in unsere Zeit durch unser Leben und unsere Auslegung übersetzt werden muss. Sie muss nicht zurecht formuliert werden, sondern unser heutiges Leben anhand ihrer Worte durchleuchtet werden. Dabei leuchtet ihr Licht in tiefere Schichten als der nach der Frage, wer zu welcher Zeit gemeint war, ob Paulus damals schon unsere gleichberechtigten Frauen von heute gemeint hat oder nicht. Im Kontext sind wir immer alle gemeint – egal ob Männlein und/oder Weiblein. Die geneigte Leserin und/oder der geneigte Leser möge bzw. mögen mir nachsichtig sein: dies war ein anstrengend zu schreibender Gedanke, aber mit einem zwinkernden Auge geschrieben …

Kaiser – Musik – Entweltlichung

Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser und Gott, was Gott gehört: Welche Musik ist die wahre liturgische Musik? Da produzieren Interpreten, welche sich „Gregorian – Masters of Chant“ nennen, mehrfach prall gefüllte CD‘s mit weltlichen Hits gesungen im Stil gregorianischen Gesanges. Und alle Welt, ob kirchlich sozialisiert oder nicht, kauft diese Musik. Warum? Vermutlich deshalb, weil ihnen das besondere, das ungewöhnliche an diesen eigentlich schon tausendmal gehörten Hits gefällt. Sie alle spüren, dass die „Sprache“ dieser „gregorianischen Interpretation“ etwas besonderes ist, etwas, was dem schon tausendmal gehörten einen anderen „Mehrwert“, eine andere Dimension gibt. Diese „Gregorians“ tun dies sehr erfolgreich! Und was tun „Kirchens“? Wir Liturgie-Verantwortlichen tun genau das umgekehrte: Wir packen geistliche, liturgische Texte in eine musikalische Sprache, die sich an weltliche Musik anlehnt, sie nachahmt, meist aber damit weit hinter dem bleibt, was tatsächliche weltliche Musik vermag. Man will vermutlich modern, zeitgemäß und jugendlich wirken. Erfolgreich? Viele Jugendliche, die nicht kirchlich sozialisiert sind, die mit solcherlei Musik bei Firmungen und anderen Events beglückt werden, zucken mit den Schultern oder machen sich sogar lustig darüber weil sie die Anbiederung dahinter erkennen. Auch hier täte eine „Entweltlichung“ gut.

Krug – Stille

Was ist wichtiger an einem Krug voll Wasser: das Wasser oder der Krug? Natürlich das Wasser, aber ohne Krug könnten wir das Wasser nicht trinken, würde das Wasser zwischen den Händen zerrinnen und im Boden versickern. Was der Krug für das Wasser ist, das ist die Stille für das Wort, für das Gebet, für die Musik, für den Gesang. Es braucht einen Moment der Stille davor und danach, denn sonst wird der tiefere Sinn des Gehörten mit dem nächsten Geräusch schon wieder zerstört. Die Stille hüllt das Gehörte ein, gibt ihm Raum und Halt – wie ein Krug.