Gemeinsames Abendmahl?

In Ravensburg schlagen die Wogen hoch – aber nicht mehr nur dort. Viele Reaktionen vermitteln mir, dass man mit theologischem Diskurs heutzutage nicht mehr weiter kommt. Man will sich vielleicht gar nicht mehr die Mühe machen, ahnt, dass dann der andere doch recht haben könnte. Und zugeben, dass man es sich zu einfach macht, kostet Kraft. Also werden die Gegner in eine Ecke gestellt, Klischees bemüht und sich selbst stellt man als Unterdrückten dar. Jedes Argument wird dann zur Misshandlung. Vielleicht hilft da ein Vergleich, ein Gleichnis: ist es denn nicht mit dem voreilig herbeigesehnten, ja erzwungenen Gemeinsamen Abendmahl wie mit vielen Wochenendbeziehungen? Man will wenigstens die schönsten Tage der Woche gemeinsam mit den schönsten Dingen verbringen. Die Erwartungen sind hoch. Doch diese Wochenendbeziehungen scheitern oft daran, das einer oder beide im Letzten nicht breit sind, ihre jeweils eigene Wohnung, ihren Lebensort, Arbeitsplatz, Freundeskreis für die echte und volle gemeinsame Zukunft aufzugeben. Unter der Woche klagen sie jeweils ihrem besten Freund/ihrer besten Freundin ihr Leid, vielleicht schimpfen und lästern sie sogar aus Frust und Unzufriedenheit über den Anderen. So wird es auch mit den ökumenischen Partnern sein. Sie versammeln sich zwar um einen gemeinsamen Tisch. Aber an diesem sind sie sich doch schon nicht einig, was das gemeinsame Mahl bedeutet. Dann gehen sie anschließend wieder auseinander und die einen wollen lieber bei ihrer Lutherbibel bleiben, die anderen ihre Heiligen weiter verehren. Die einen wollen weiterhin kein Amt und nur die notwendigsten Sakramente und verbannen alles was nicht wirklich in der Bibel steht als heidnisch um sich gleichzeitig aber dem Zeitgeist anzunähern. Und die anderen wissen genau, wenn sie das Heilige zu sehr profanisieren, dann verlieren sie ihren Wesenskern. Und sie erheben im Gegenteil sogar scheinbar alltägliches mystagogisch zum Sakramentalen weil sie in allem letztlich Gott erkennen. Und sie wissen genau, dass sie nicht von dieser Welt sein sollen. Und so klagen sie unter jeweils ihresgleichen über den anderen und erkennen irgendwann, dass die Beziehung von Anfang an zu schwierig, die Erwartungen zu hoch gehängt waren und dass es besser ist, wenn man sich trennt und jeder seinen Weg geht.

Alle wollen eigentlich Priester sein

Aber nicht alle dürfen, können Priester sein. Und weil der Wunsch aber so tief sitzt, will man gefälligst das Priesteramt geöffnet haben, für verheiratete Männer und auch für Frauen (auch verheiratete?). Aber weil das so schnell oder so einfach oder auch gar nicht geht, findet man das Priestertum ja eigentlich auch doof! Und überhaupt: sind wir nicht alle zum allgemeinen Priestertum berufen und dürfen deshalb auch irgendwie ein bisschen Priester spielen? Also alle Laien und Laiinnen (?) sind doch auch Priester und Priesterinnen! So hört man es hier und dort und überall! Mir geht das sowas von auf den Nerv dieses Gerede vom allgemeinen Priestertum! Hinter all dem Gerede vom Allgemeinen Priestertum steckt doch eben diese Eifersucht, nicht auch ein „echter“ Priester sein zu dürfen. Alles wird über das „Priester sein oder nicht sein“ definiert – aber keiner gibt’s zu! Es ist ein „Kampf-Krampf“ um Selbstverwirklichung und Anerkennung. Aber Priester – und übrigens auch Diakon oder Bischof – wird man nicht für sich, seinen Ego oder sein Seelenheil. Nein dazu wird man berufen! Und wer nicht berufen wird ist deswegen kein geringerer Mensch. Denn sind wir nicht alle vor allem Christen? Und kann man sich nicht einfach als Christ engagieren? Draußen in der Welt, draußen wo Menschen Hilfe, Trost, Heilung, Vergebung, Beistand, Rettung brauchen? Es gäbe für Christen so viel zu tun, da braucht’s nicht oft einen allgemeinen oder auch geweihten Priester! Einfach nur einen gläubigen, liebenden Menschen, einen Christen!

Sakramentale Kirche

Eine Kirche, die sich nicht als sakramental versteht, ist wie der Fußabdruck Gottes in irdischem Sand. Eine Kirche, die sich sakramental versteht, ist wie der Fuß Gottes, der den Abdruck in den Sand drückt.

Die Parallele – Ein noch ungeschriebener Roman

Prolog. Die Parallele. Sie wird in der Unendlichkeit geboren, zieht durch Raum und Zeit und endet am anderen Ende der Unendlichkeit, sie berührt sich und doch nicht, sie ist eins aus zwei, getrennt und doch ungetrennt. Kapitel 1. Sie standen beide unter dem Dach und sahen, wie die Wassertropfen – nach ihrem Weg durch die hölzerne Deckenverkleidung – wie in einem niemals veränderlichen, exakten Rhythmus die schwindelerregende Tiefe fielen um unten in einer riesigen Pfütze auf dem Steinboden zu zerplatzen. Alles was in der Nähe an Gegenständen noch vorhanden war, war feucht, ein leichter grüner Schimmer verriet, dass die Natur auf dem Vormarsch war, sie schlummerte schon lange und würde sich bald zu einem Kleid aus Moos über alles legen. Die beiden hatten es kommen sehen. In das Gebäude wurde seit 15 Jahren nichts mehr investiert. Es gab kein Geld mehr für solche Gebäude. Paul Lus’t und Timo Theus waren Arbeiter vom städtischen Bauhof, beauftragt, das Schlimmste zu vermeiden. Sie stiegen außen auf das große Dach und warfen eine wetterfeste Plane über die undichte Stelle. „Kommst Du heut Abend?“, Timo nickte nur mit dem Kopf. „Dann können wir besprechen, was wir machen.“ Es war bedrückend, Erinnerungen an frühere Zeiten kamen hoch. Mit diesem Gebäude, mit diesem Raum war ein Herzstück ihres Lebens verwoben. Sie sind in und mit ihm groß geworden. Es war so etwas wie ihr „Elternhaus“. Sie trafen sich am Abend bei Lydia zuhause in einer umgebauten Werkhalle. Platz genug für die Versammlungen. An diesem Abend waren sie nur zu siebt, manchmal waren sie bis zu vierundzwanzig. Und Eigentlich wären sie noch ein paar mehr. Aber vor 30 Jahren gab es eine Spaltung. Es tat allen heute noch weh! Damals gab es ein Konzil. Das Ergebnis: Frauen wurde endgültig der Zugang zum Amt verwehrt. Priester mussten weiterhin zölibatär leben. Ein Riss ging quer durch die Welt, am tiefsten in Deutschland. Viele deutsche Bischöfe sagten sich von Rom los, bildeten eine neue, die sogenannte reformierte katholische Kirche. Kein Papst, kein Zölibat, geweihtes Amt für Frauen, Leitung der Gemeinden durch ehrenamtliche Laien, kein Kirchenrecht mehr, die teils riesigen Seelsorgeeinheiten wurden wieder aufgelöst und die alten Gemeinden wieder konstituiert. Diese waren – mangels immer noch zu weniger Priester, aber auch zu weniger Ehrenamtlicher – nicht lebensfähiger. Nach 13 Jahren war die reformierte katholische Kirche in sich zerstritten, Machtkämpfe und Interessenkonflikte gab es mehr den je. Ihre Mitglieder zerstreuten sich, die einen gingen hier hin, die anderen dort hin. Die Gemeinden der reformierten katholischen Kirche zerfielen, es bildeten sich unzählige und unzähmbare Gruppierungen und Gruppen. Viele fühlten sich nicht einmal mehr an die reformierte katholische Kirche und ihre Bischöfe gebunden, man tat das, was man – oder Meinungsführer – in den Gruppen für richtig hielten. Paul hatte schon vor und während des Konzils lange innerlich mit sich gerungen. Wohin sollte es gehen, die Vertreter beider Positionen beanspruchten für sich, mit der Wahrheit des Heiligen Geistes zu reden und zu handeln. Schließlich war Paul nach dem Konzil in der „alten Kirche“ geblieben. Aber auch der „alten“ römisch katholischen Kirche ging es nicht besser. Ihre Priester gab es nur noch in ein paar Großstätten, Pastoral- und Gemeindereferenten und -Referentinnen gab es nirgends mehr. Es war kein Geld mehr da um sie zu bezahlen. Außerhalb der Großstädte gab es im Amt nur noch Männer wie Paul, sie hatten kein kirchliches Gehalt, dafür einen zivilen Beruf, nicht nur aber auch um damit den Lebensunterhalt zu verdienten. Sie waren Diakone im Zivilberuf. Ihr Stand wurde schon beim vorletzten Konzil wieder eingeführt. Die Entscheidung, in der „alten Kirche“ zu bleiben, traf Paul letztlich aus einem Bauchgefühl heraus. Die Sachargumente der Konzilsparteien waren in sich alle irgendwie richtig. Für Paul gab es nicht die eine Wahrheit, zumindest nicht in diesen Diskussionen die letztlich immer auch politischer Natur waren. Timo kam verspätet an diesem Abend zum Treffen bei Lydia. Er kümmerte sich nach Feierabend um die Ärmsten in der Stadt. Und da gab es immer mehr als genug zu tun. „Wir werden aus Sicherheitsgründen nicht einmal mehr Ostern in unserer Kirche feiern können!“ Mit diesen Worten eröffnete Timo das Treffen. „Das Dach ist undicht, das Risiko, dass die ganze Decke runter kommt zu hoch.“. Die Botschaft war ein weiterer Schlag gegen die Hoffnung wider die Hoffnungslosigkeit. Am nächsten Tag gingen Timo und Paul nach Feierabend bedrückt zum Fußball. Auch einen Verein gab es nicht mehr. Der Platz wurde, wie die Kirche daneben, noch notdürftig gepflegt. Aber das Spiel war nicht tot zu kriegen, es brauchte nur einen Platz und einen Ball. Spieler fanden sich immer. Unter ihnen ein zwölfjähriger Junge, Phil, aufgeweckt, viele Fragen stellend, mit Tiefgang, auch zu einfachsten Dingen. Sein Blick ein suchender und zugleich erwartender, als ob hinter allem ein großes Geheimnis stecke. Timo und Paul mochten ihn. Vor dem Spiel vollzogen Timo und Paul immer ein merkwürdiges Ritual. Phil hatte schon oft verwundert aber schweigend zugesehen. Heute machte er den Mund auf „Warum berührt Ihr euch mit der Hand immer so komisch an Kopf, Schultern und Brust?“. „Das ist eine lange Geschichte!“, Timo schaute mit deutungsvollem Blick zu Paul. „Du willst eine Antwort?“. „Ja!“ gab Phil bestimmend zurück. „Die kriegst Du!“ erwiderte Timo, „Aber nicht heute“. Paul schaute Phil fordernd an „Wenn Du das verstehen willst, musst Du es erst selber ein paar mal tun!“. „Ich werde es dir erklären, wenn du es mindestens vor sieben Spielen gemacht hast!“. Timo wartete auf seine Reaktion. „Einverstanden!“. Phil vollzog dieses merkwürdige Zeichen und dann stürmte er los auf den Ball zu um das Spiel zu beginnen. Die Tage wurden kürzer. Als die Versammlung begann war es schon dunkel, Herbst! Sie waren heute nicht drei, und auch nicht vierundzwanzig. Sie waren heute einer mehr. Phil war stolz! Er war zum ersten Mal zu einem dieser merkwürdigen Treffen eingeladen. Er spürte, dass noch viele weitere Fragen von ihm zu stellen währen! Er strahlte. Auch Paul Lus’t und Timo Theus strahlten, der Schmerz über die verfallende Kirche tat nicht mehr ganz so weh. Paul legte sein Gewand an und wickelte seine Stola quer über die Schulter. 8 Jahre ist es jetzt schon her, seid dem er geweiht wurde. Die Kirche hatte sich verändert, alles war anders gekommen als viele gehofft hatten, aber sie war wie der Fußball nicht tot zu kriegen, es ging weiter! Heute war der Tag, an dem Phil die Taufe erhalten sollte! Anmerkung: Diese Kurzgeschichte wurde auch in gekürzter Form im „Guckloch 2016“ der Seelsorgeeinheit Oberes Murrtal veröffentlicht.

Apostolisches Glaubensbekenntnis

Das apostolische Glaubensbekenntnis wird in jeder Messe, bei jeder Taufe und auch anderen Begebenheiten gesprochen. Selbst Christen, die nicht regelmäßig oder nachmal auch gar nicht mehr in die Kirche gehen, können es auswendig. Es ist ein Bekenntnis, in dem jedes Wort genau bedacht ist und seine Bedeutung hat und die Väter der Kirche viel darum gerungen haben. Jeder, der es spricht, bekennt sich zu einer existentiellen, grundlegenden Glaubenseinstellung. Nun ist es nicht abzustreiten, dass das regelmäßige Beten in den Gottesdiensten auch zu einem Automatismus führt, die Bekennenden nicht mehr bewusst sagen was sie glauben. Um dem entgegen zu wirken, versuchen sich manche an Umformulierungen, die inhaltlich das gleiche sagen aber mit anderen Worten – dies tun sie, um die Bekennenden wieder aufmerksamer zu machen. Das ist gut gemeint. Aber ist es auch gut? Wie gesagt, das apostolische Glaubensbekenntnis ist die Essenz des christlichen Glaubens um die viele viel gerungen, ja gekämpft haben und auch heute noch viele sogar ihr Blut dafür geben müssen. Es muss also wohl bedacht sein, was da bekannt wird – es kann manchen das Leben kosten! Nun gehen also wohlmeinende Liturgen her und geben den Gottesdienstbesuchern idealer Weise schon vor dem Gottesdienst eines dieser wohlmeinend umformulierten Bekenntnisse an die Hand, damit dann im Gottesdienst alle schön brav das "Alte" neu verpackt bekennen. Ist das gegenüber dem Gottesdienstbesucher fair? Es wird ihm ja nicht nur unterstellt, er bekenne sich nicht mehr bewusst, sondern es wird von ihm erwartet, dass er kurzfristig ein Bekenntnis spricht, welches er kaum vorher überprüfen konnte, ob es das richtige ist! Das ist in gewisser Weise fast Nötigung! Es ist schon schlimm, wenn man das Kleingedruckte von Verträgen kaum in Ruhe lesen kann, aber es geht eigentlich gar nicht an, so mal eben nebenher in einem Gottesdienst sich ungeprüft zu etwas zu bekennen, was andere mal so eben umformuliert haben. Wer so etwas von den Gläubigen, den Gottesdienstbesuchern erwartet, ist nicht modern oder aufrüttelnd, nein er ist unverantwortlich und überheblich, weil er über die Bekennenden hinweg geht, ihr Bekenntnis nicht ernst nimmt und es missachtet!

Erneuerung der Kirche

"... Kirche hat die Chance, verlorenes Vertrauen zurück zu gewinnen und wieder mehr an Bedeutung im Leben der Menschen zu erhalten. …". Solche oder ähnliche Aussagen findet man im Kontext zum Dialogprozess oder dem Gewinnen neuer Gemeinderäte oder Ehrenamtlicher für Projekte die sich der Zukunft der Kirche verschrieben haben. Mögen sich die Verfasser solcher Aussagen noch so mühen, bisher scheint immer noch gerade das (scheinbare) Problem "Zukunft der Kirche" das Problem selbst zu sein! Und solange das so bleiben wird, werden gerade diejenigen, die sich am meisten mühen, eben genau dadurch der Lösung im Wege stehen! Warum? Hinter all den Fragen und Diskussionen in dieser bewegten Zeit steckt ein verborgener Egozentrismus. Egal welche Aktion, welcher Aktionismus, welche gute Tat oder welches Gebet: es geht immer um uns selbst, um unseren Selbsterhalt – als einzelner Glaubender, als Gemeinde, als Diözese, als Deutsche Katholische Kirche oder als Katholische Weltkirche. Immer steckt die Frage dahinter "Was muss ich tun, damit mein/unser Glaube wieder mehr bei den anderen ankommt und die anderen mich akzeptieren oder gar zu mir (zurück) kommen." Und: "Ich bin bereit vieles oder gar alles dafür zu tun." Nur eines nicht: Loslassen! Sich selbst loslassen! Es geht immer wieder zuerst um den Selbsterhalt und weniger um den Dienst an Gott und dem Nächsten um seiner Selbst willen.

Name Gottes

In einer Predigershow ruft ein Fernsehprediger, um das Publikum zu emotionalisieren und um dem, was gesagt wird, mehr Bedeutung zu geben, in der Manier eines Verkäufers mehrmals immer wieder: “Praise the Lord … Halleluja … In the Name of Jesus … Praise the Lord …” Da kam mir die Mahnung aus der Bibel in den Sinn: “Du sollst den Namen Gottes nicht nutzlos im Munde führen”!

Dialogprozess II

Am Rande des Dialogprozesses: Da werden immer wieder im und nach und trotz dem Dialogprozess kritische Fragen gestellt und Veränderungen gefordert. Klar, denn der Dialogprozess war und ist ja noch kein Konzil! Wenn man dann aber versucht, zu erklären, warum etwas so oder so ist (noch oder auch schon längst!), dann wird einem ganz schnell nicht mehr zugehört. So z.B. bei der Frage, warum evangelische Christen nicht in einer katholischen Eucharistiefeier zur Kommunion dürften: man erklärt, dass jeder Christ, wenn er das Hochgebet innerlich nachvollziehen kann, den Leib und das Blut Christi empfangen dürfe. Ungläubiges, wortloses Staunen! Dann, nach Zeiten, kommen die gleichen Fragen von den gleichen Leuten wieder auf den Tisch! Woran liegt das? War die Erläuterung nicht nachvollziehbar, zu kompliziert? Wurde aneinander vorbei geredet? Oder will man sich garnicht auf die Antwort einlassen, weil man dann sich und seine bisherige Haltung des Widerspruchs aufgeben muss? Oder sind die Menschen heute gar nicht mehr bereit, sich für die Dinge des Glaubens kognitiv und spirituell anzustrengen, sich um Antworten und Wahrheiten zu bemühen wenn es nicht von vornherein die eigenen sind? Gefragt wird auch: „Wie kommen wieder mehr Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche in die Kirche?“. Diese Frage wird sehr oft gestellt, wenn über unsere Kirche und ihre Zukunft diskutiert wird. „Wenn die Eltern nicht in ihrer Erziehung dahinter sind, dann kommen die Kinder nicht.“ so oder ähnlich hört man‘s dann aus vielen Mündern. Die Forderung scheint im Raum zu stehen, dass man die Eltern angehen müsse, dass sie ihre Kinder gefälligst religiös zu erziehen und Sonntags in die Kirche zu bringen hätten. Ist diese Forderung realistisch? Ist das nicht fast so naiv wie der Versuch anderer religiöser Gemeinschaften, am hellen Tage an der Haustüre Menschen für ihre Sache (ihren Glauben?) zu gewinnen? Im Ernst: welche Eltern, die selber nicht mehr kirchlich sozialisiert sind, würden sich von solch einer Forderung angesprochen fühlen? Was bleibt? Vielleicht dies: dort wo Kinder in unseren Gemeinden auftauchen, ihnen mit Interesse, mit Wertschätzung zu begegnen. Ihnen das Gefühl geben, dass sie willkommen sind, dass sie gefördert und gefordert werden, dass Gemeinde ein Ort ist wo man SEIN darf! Eine Frau berichtete von einem Jungen, der regelmäßig allein (ohne Eltern) aus einem Teilort zum Ministrieren kommt. Sie spricht ihn an, interessiert sich für ihn, lobt ihn, zeigt ihm, dass er wahrgenommen, wertgeschätzt und willkommen ist. Dies wird vielleicht dem Jungen in seiner Entscheidung helfen, allein Sonntags den Weg zum Gottesdienst auf sich zu nehmen – und der Gemeinde, einen engagierten Ministranten in den eigenen Reihen zu wissen.Auch das wird angefragt: „Das Wort ”katholisch” im Glaubensbekenntnis grenzt die anderen Christen aus.“ Man meint, das Glaubensbekenntnis dahingehend entschärfen zu müssen, dass man statt „katholische“ („ ... die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche ... “) lieber „christliche Kirche“ sagen müsse, weil man ja die evangelischen Christen nicht ausgrenzen oder brüskieren wolle. Dahinter steckt dann eigentlich Unwissen bei vielen (auf allen konfessionellen Seiten) darüber, was „katholisch“ eigentlich heißt: „das Ganze betreffend“, „allgemein“. Also genau das Gegenteil von dem, was befürchtet wird. Wer also das Glaubensbekenntnis mit dem Wort „katholisch“ spricht, der grenzt eben nicht evangelische Christen aus, sondern nimmt sie – und nicht nur sie sondern in gewisser Weise alle Menschen – mit hinein in seinen Glauben. Ganz abgesehen davon wird hier ja nicht von der römisch-katholischen Kirche, der Amtskirche gesprochen sondern von der mystischen Kirche, die mehr ist als die in dieser Gegenwart existierende römisch-katholische Amts-Kirche. Hier kommt man dann zur Frage, was eigentlich Kirche ist … Was bei alldem noch nachdenklich macht: Bei solcherlei mangelndem Wissen in fundamentalen Dingen wird aber im gleichen Umfeld, auf gleicher Gesprächsebene im Zuge des Dialogprozesses darüber diskutiert oder gar gefordert, was und wie sich die Kirche (die römisch-katholische) zu verändern hat. Es wird u.a. über Ämter und Strukturen dieser Kirche gestritten und geklagt und hat dabei nicht im Blick, dass hier nicht über irgend eine x-beliebige gesellschaftliche Gruppierung, irgend ein Verein geredet wird, sondern über eine Kirche, also eine heilige, sakramentale, zeichenhafte Gemeinschaft, in der es nicht primär um Strukturen, um Angepasstheit und Gleichheit, um Funktionieren in und mit gesellschaftlichen Normen geht, sondern die zu allererst auf den Höchsten verweist. Kirche kann in ihren wesentlichen Dimensionen niemals demokratisch, mehrheitlich, weltlich angepasst, begründet werden. Nicht die Menschen in der Kirche bestimmen was und wie Kirche ist, sondern der der sie ins Dasein rief und ruft. Sonst könnte es ja z.B. sein, dass irgendwann, weil in der breiten gesellschaftlichen Norm so üblich, die Menschen in der Kirche darüber abstimmen, ob es noch einen Gott gibt oder nicht. Auch die aktuelle, viel diskutierte Frage, wer wann wie Priester, Diakon, oder gar Bischof werden kann, ist nicht eine rein säkulare, rationale Frage wie z.B. in einem Unternehmen. Es „darf“ in der Kirche nicht einfach jede/r Priester werden wie man anderweitig Ingenieur oder Wissenschaftler oder Politiker oder sonst was wird, sondern man wird berufen: nicht zu einem Beruf „Priester“ sondern zu einem religiösen Dienst, der Berufung ist; nicht um einen „Job“ in einem Unternehmen zu machen mit dem man Geld verdienen und seinen (sozialen) Neigungen nachgehen kann, sondern in allererster Linie um einen priesterlichen Dienst in der Kirche zu vollziehen zu dem man sein restliches Leben bestimmt ist und der einen in einen religiösen Stand versetzt der, zeichenhaft und wesenhaft, auf etwas höheres verweist (dies übrigens auch wie die kirchliche Ehe ... die ja auch mehr ist als eine standesamtliche).

Leserbrief zum Klartext „Leiser Alarm“ in Katholisches Sonntagsblatt Nr. 34 • 25. August 2013

Vielen Dank für diesen Klartext, für die Aufmerksamkeit zu diesem Thema! Alles was hier gesagt wird, kann ich unterstreichen! Nur eins will ich noch anmerken: Die Qualität in der Pflege wird [vor allem] kaum allein dadurch verbessert, dass man sie mit fragwürdigen Messinstrumenten prüft, oder dadurch, dass Angehörige aufmerksamer werden, sondern wenn man auch bereit ist, die Voraussetzungen, die Ressourcen für Qualität zu schaffen, wenn man bereit ist, in Qualität zu investieren. Wie viel steckt denn zum Beispiel ein Autohersteller in die Entwicklung aber auch in die Ressourcen seiner Mitarbeiter um hochqualitative und sichere Autos zu bauen? Jeder sieht hier sofort die notwendigen Zusammenhänge und befürwortet die notwendigen Investitionen. Jeder, der [Wer] ein gutes Auto will, ist auch bereit dafür den Preis zu zahlen. Was aber ist mit der Pflege? Reformen bleiben in Schubladen, gerechte Löhne werden hart be- oder umkämpft. Die soziale Ader, die Aufopferungsbereitschaft der Pflegenden wird bis aufs Blut ausgenutzt. Menschen, die man sonst nirgends mehr auf dem Arbeitsmarkt haben will, werden in die Pflegeberufe gedrängt – egal ob motiviert und geeignet oder nicht (paradoxer Weise will man aber die Pflegefachkräfte akademisieren!). Viele verdienen mit einem Vollzeitjob kaum genug zum Leben, viele haben notgedrungen mehrere sich teils gegenseitig behindernde Teilzeitjobs um sich über Wasser halten zu können. Das alles bei einer fast nicht mehr auszuhaltenden Arbeitsbelastung! Wir in der Pflege sind schon lange „Bahnhof Mainz“. Wenn sich hier nicht bald etwas ändert, dann wird es eine Katastrophe geben, neben der die Bahnhofstragödie nur wie eine Komödie erscheint. Und diese Katastrophe ist dann nicht mit dem Ende der Urlaubszeit behoben. Nein, weil dann nämlich auch die stärksten Pflegekräfte nicht mehr alles auffangen können. Dann wird die ganze Pflege wie in einer unaufhaltbaren Kettenreaktion, wie ein Kartenhaus zusammenbrechen und es wird nichts mehr übrig bleiben weil dann niemand (NIEMAND!) mehr da ist, der die Arbeit weiter macht. Aber auch dann wird sich höchstwahrscheinlich niemand wirklich für die wahren Gründe interessieren sondern die Schuld wieder mal nur bei den Pflegekräften suchen. Denn die sind es ja, die die falschen Medikamente geben haben, die einen Bewohner vergessen haben, etc. etc. Dass diese Fehler Menschen passieren, die alle mal hoch motiviert in diese Pflegeberufe gestartet sind, nun aber vor lauter Not nicht mehr wissen, was sie denn als nächstes tun sollen um noch schlimmeres zu verhindern, dass dies Menschen passiert, die nicht mehr wissen wo ihnen der Kopf steht, die zuhause noch im Schlaf, in ihren Träumen weiterarbeiten und nacharbeiten was sie im Wachzustand nicht mehr fertig gebracht haben, das will niemand wissen! Ich wünsche mir, dass unsere Kirchen statt sich um sich selbst zu drehen, endlich ihre gesellschaftliche, christliche und auch arbeitgeberische Verantwortung wahrnehmen und hier schnellstmöglich aktiv werden und dieses Thema in Gesellschaft und Politik mit unerbittlichem Nachdruck auf den Tisch bringen. Diakon Harald Sittart, Pflegedienstleiter in einem Pflegeheim. Anmerkung: Veröffentlicht in: Katholisches Sonntagsblatt Nr. 36 • 8. September 2013 Kursiv und grau gedruckt: von der Redaktion gekürzt, in []-Klammern gesetztes: von der Redaktion hinzugefügt.

Suuuper Idee!!!

Wie wir die Kirchen voller kriegen: Wir müssen unsere Gottesdienste attraktiver, nützlicher und vernetzter gestalten. Viele haben schon viele Ideen geboren, wie man mehr Leute in die Kirchen lockt. Entweder lädt man die Kindergartenkinder ein und hofft dadurch die Eltern mit anzuziehen, oder man bastelt eine eigene Band die dann fetzige Lieder spielt und hofft damit, die Jugend davon zu überzeugen, dass wir Kirchens durchaus mit einem Xavier Naidoo mithalten können. Aber nun kommt der Superknaller: wie wäre es damit, dass wir statt der hier und dort üblichen Verteilung von Kommunion- oder Heiligenbildchen welche gleich nach dem Empfang der Heiligen Kommunion dem einzelnen Gläubigen in die Hand gedrückt werden, zukünftig – ja, was? Na, Eintrittskarten, Rabattmarken etc. verteilen! Beispiel: im April werden an jeden, der die heilige Kommunion empfängt, gleich auch vergünstigte Eintrittskarten für den Tanz in den Mai oder „a Märkle“ für eine Rote Wurst bei der Maihocketse verteilt! Wetten, es werden viele kommen, weil sich‘s dann wieder eher lohnt „in d‘ Kirch zom ganga“!

Weihrauch

Wenn ich in unsere katholische Kirche gehe, dann kommt mir besonders in diesen österlichen und pfingstlichen Tagen schon beim Überschreiten der Schwellen ein ganz besonderer Duft entgegen, Weihrauch! Schon allein dieser Weihrauchduft macht mir in wunderbarer Weise deutlich: ich betrete einen Heiligen Raum. Der Duft öffnet meinen vom Alltag beengten Blick. Dieses Erlebnis ist beispielhaft für das, was unsere Kirche nicht nur als Gebäude ist: Heiliger Raum! Alles, was in ihr geschieht, soll einen Vor-Geschmack des Heiligen, des Himmels vermitteln. Alles was sie tut, was sie sein will und wie sie sein will, ist dem verpflichtet! Es geht nicht darum, die Welt abzubilden, sondern den Himmel! Kirche ist zuallererst Zeichen, Sakrament! Sie ist nicht sich selbst oder der Welt geschuldet, sondern Gott. Das ist keine Weltfremdheit sondern Weltzugewandtheit. Denn dadurch dass die Kirche nicht Teil von oder gar Eins mit vielen weltlichen Dingen ist sondern Zeichen einer größeren Wirklichkeit, steht sie der Welt gegenüber und damit zugewandt. Dies, um der Welt ein Zeichen der Hoffnung zu geben, dass die Welt nicht auf sich selbst geworfen ist sondern begründet und geborgen ist in der Unendlichkeit Gottes.

Wie viele ...

Eine fiktive Umfrage: Wie viele Menschen glauben noch an einen Gott? Sehr viele! Wie viele Menschen glauben noch an Jesus als den Sohn Gottes? Viele! Wie viele glauben noch an die Auferstehung? Nicht mehr viele! Wie viele glauben an eine Wiedergeburt? Sehr viele! Wie viele glauben an Engel? Sehr viele! Wie viele gehen nur noch an Weihnachten in die Kirche? Sehr viele! Wie viele wissen noch, was an Weihnachten, Ostern und Pfingsten gefeiert wird? Nicht mehr viele! Wie viele Menschen gehen wohl noch regelmäßig in die Kirche? Nicht mehr viele! Von den Wenigen, die noch in die Kirche gehen, wie viele von ihnen gehen noch in einen katholischen Gottesdienst? Nicht mehr viele! Wie viele, die nicht mehr in die Kirche gehen, egal welcher oder gar keiner Konfession, haben den Wunsch an die Katholische Kirche, dass sie sich ändert? Sehr viele! Wie viele hoffen, dass der nächste Papst alles anders macht? Sehr viele! Wie viele von all denen fänden es dann gut, wenn Priester heiraten dürften? Sehr viele! Wie viele von all denen fänden es dann gut, wenn Frauen zur Weihe zugelassen würden? Sehr viele! Wie viele von all denen fänden es dann gut, wenn Papst, Bischöfe, Priester und Diakone von Laien gewählt würden? Sehr viele! Wie viele fänden es dann gut, wenn die Kirche ihre Gesetze über Bord werfen würde? Sehr viele! Wie viele von all denen fänden es dann gut, wenn die Gottesdienste „fetziger“ wären? Sehr viele! Wie viele von all denen würden sich dann vornehmen, wenn all das eintreten würde, öfters in die Kirche zu gehen? Sehr viele! Wie viele von eben genau all denen wären dann – wenn all das endlich eingetreten ist – tatsächlich bereit, dafür an den meisten Sonntagen nicht auszuschlafen, nicht zu joggen, nicht zu biken, nicht gemütlich zu brunchen, nicht mit dem Fußball- Handball- oder Volleyballverein auf ein Turnier zu gehen, nicht einen Tagesausflug zu machen? Ich fürchte, nicht viele! Wie viele wären dann auch noch bereit, aus ihrem Glauben heraus sich für andere Menschen einzusetzen, ihren Glauben zu bekennen, wenn es sein muss unter Einsatz ihres Rufes oder gar ihres Lebens? Ich fürchte, sehr wenige! Herr, gib mir Kraft und Mut, an dich zu glauben, dich zu bekennen, in deinem Namen den Menschen zu dienen, zu deiner Kirche zu stehen, egal was kommt!

Fromme, gute Christen

Oft hört man: „In der Kirche, da sitzen immer die, die ganz fromm tun und wenn sie dann nach Hause kommen, dann schimpfen sie über die Nachbarn, behandeln ihre Kinder schlecht etc. etc. – das sind doch falsche Christen, denn sie sind auch nicht besser als alle anderen.“. Ich frage mich: sind wir nicht gerade auch deswegen Christen und als solche in der Kirche? Vielleicht genau deswegen, weil wir wissen, dass wir Menschen (alle Menschen) schwach und fehlerhaft sind? Aber vielleicht anders als manch andere unsere Schwachheit, unsere Fehlerhaftigkeit, ja vielleicht sogar unsere Boshaftigkeit erkannt haben und wissen, dass die wenigsten Menschen sich wirklich wesentlich verändern können und wir gerade deswegen auf die Gnade eines Gottes angewiesen sind? Wer sollte in der Kirche sitzen wenn nicht wir Sünder? Hat Jesus nicht gesagt: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt sondern die Kranken? Christ und Kirchgänger ist man nicht, weil man gut ist (also „ein guter Christ“), sondern weil man auf die Gnade und Liebe Gottes durch Jesus Christus hofft – und: weil diese Gnade uns zugesagt und in den Sakramenten für uns erfahrbar ist.

Am Rande des Dialogprozesses

Am Rande des Dialogprozesses: „Wie kommen wieder mehr Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche in die Kirche?“ Diese Frage wird sehr oft gestellt, wenn über unsere Kirche und ihre Zukunft diskutiert wird. „Wenn die Eltern nicht in ihrer Erziehung dahinter sind, dann kommen die Kinder nicht.“ so oder ähnlich hört man‘s dann aus vielen Mündern. Die Forderung scheint im Raum zu stehen, dass man die Eltern angehen müsse, dass sie ihre Kinder gefälligst religiös zu erziehen und Sonntags in die Kirche zu bringen hätten. Ist diese Forderung realistisch? Ist das nicht fast so naiv wie der Versuch anderer Religiösen Gemeinschaften, am hellen Tage an der Haustüre Menschen für ihre Sache (ihren Glauben?) zu gewinnen. Im Ernst: welche Eltern, die selber nicht mehr kirchlich sozialisiert sind, würden sich von solch einer Forderung angesprochen fühlen? Was bleibt? Vielleicht dies: dort wo Kinder in unseren Gemeinden auftauchen, ihnen mit Interesse, mit Wertschätzung zu begegnen. Ihnen das Gefühl geben, dass sie willkommen sind, dass sie gefördert und gefordert werden, dass Gemeinde ein Ort ist wo man SEIN darf! Eine Frau berichtete von einem Jungen, der regelmäßig allein (ohne Eltern) aus einem Teilort zum Ministrieren kommt. Sie spricht ihn an, interessiert sich für ihn, lobt ihn, zeigt ihm, dass er wahrgenommen, wertgeschätzt und willkommen ist. Dies wird vielleicht helfen: dem Jungen in seiner Entscheidung, allein Sonntags den Weg zum Gottesdienst auf sich zu nehmen – und der Gemeinde, einen engagierten Ministranten in den eigenen Reihen zu wissen. „Das Wort ”katholisch” im Glaubensbekenntnis grenzt die anderen Christen aus.“ Immer wieder hört man auch solche Sätze. Man meint, das Glaubensbekenntnis dahingehend entschärfen zu müssen, dass man statt „katholische“ („ … die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche … “) lieber „christliche Kirche“ sagen müsse, weil man ja die evangelischen Christen nicht ausgrenzen oder brüskieren wolle. Dahinter steckt dann eigentlich Unwissen bei vielen (auf allen konfessionellen Seiten) darüber, was „katholisch“ eigentlich heißt: „das Ganze betreffend“, „allgemein“. Also genau das Gegenteil was befürchtet wird. Wer also das Glaubensbekenntnis mit dem Wort „katholisch“ spricht, der grenzt eben nicht evangelische Christen aus, sondern nimmt sie – und nicht nur sie sondern in gewisser Weise alle Menschen – mit hinein in seinen Glauben. Ganz abgesehen davon wird hier ja nicht von der römisch-katholischen Kirche, der Amtskirche gesprochen sondern von der mystischen Kirche, die mehr ist als die in dieser Gegenwart existierende römisch-katholische Amts-Kirche. Hier kommt man dann zur Frage, was eigentlich Kirche ist … Was bei alldem noch nachdenklich macht: Bei solcherlei mangelndem Wissen in fundamentalen Dingen, wird aber im gleichen Umfeld, auf gleicher Gesprächsebene im Zuge des Dialogprozesses darüber diskutiert oder gar gefordert, was und wie sich die Kirche (die römisch-katholische) zu verändern hat. Es wird u.a. über Ämter und Strukturen dieser Kirche gestritten und geklagt und hat dabei nicht im Blick, dass hier nicht über irgend eine x-beliebige gesellschaftliche Gruppierung, irgend ein Verein geredet wird, sondern über eine Kirche, also eine heilige, sakramentale, zeichenhafte Gemeinschaft, in der es nicht primär um Strukturen, um Angepasstheit und Gleichheit, um Funktionieren in und mit gesellschaftlichen Normen geht, sondern die zu allererst auf den Höchsten verweist. Kirche kann in ihren wesentlichen Dimensionen niemals demokratisch, mehrheitlich, weltlich angepasst, begründet werden. Nicht die Menschen in der Kirche bestimmen was und wie Kirche ist, sondern der der sie ins Dasein rief und ruft. Sonst könnte es ja z.B. sein, dass irgendwann, weil in der breiten gesellschaftlichen Norm so üblich, die Menschen in der Kirche darüber abstimmen, ob es noch einen Gott gibt oder nicht. Auch die aktuelle, viel diskutierte Frage, wer wann wie Priester, Diakon, oder gar Bischof werden kann, ist nicht eine rein säkulare, rationale Frage wie z.B. in einem Unternehmen. Es „darf“ in der Kirche nicht einfach jede/r Priester werden wie man anderweitig Ingenieur oder Wissenschaftler oder Politiker oder sonst was wird, sondern man wird berufen: nicht zu einem Beruf „Priester“ sondern zu einem religiösen Dienst, der Berufung ist; nicht um einen „Job“ in einem Unternehmen zu machen mit dem man Geld verdienen und seinen (sozialen) Neigungen nachgehen kann, sondern in allererster Linie um einen priesterlichen Dienst in der Kirche zu vollziehen zu dem man sein restliches Leben bestimmt ist und der einen in einen religiösen Stand versetzt der, zeichenhaft und wesenhaft, auf etwas höheres verweist (dies übrigens auch wie die kirchliche Ehe ... die ja auch mehr ist als eine standesamtliche).

Brüder und Schwestern

„Liebe Brüder“ oder „Liebe Schwestern und Brüder“. Die Bemühungen um Gleichberechtigung von Mann und Frau haben auch dazu geführt, dass von Lektorinnen und Lektoren beim Vortragen der Lesungen (Perikopen) die Grußworte „Liebe Brüder“ erweitert wird in „Liebe Schwestern und Brüder“, meist ist dies in den Gemeinden unter Lektorinnen und Lektoren und Gemeindeleitern so abgesprochen. Begründung: mit den Texten sollen alle Hörerinnen und Hörer unserer Zeit angesprochen werden. Was ist jedoch mit dem weiteren Inhalt, wenn wie z.B. jetzt am Hochfest der Gottesmutter Maria in Gal, 4,4-7 auch im weiteren Text die Rede von „Sohnschaft“ und „Söhnen“ ist? In der Weiterführung obigen Denkens müssten dann auch hier von der Lektorin und vom Lektor „Tochterschaft“ und „Töchtern“ eingefügt werden – damit sich in unserer heutigen Zeit alle nicht nur von der Anrede zu Beginn, sondern auch vom Inhalt des Textes selbst angesprochen fühlen. So müsste auf die Spitze getrieben in aller letzter Konsequenz gar im Evangelium des gleichen Tages Lk 2, 16-21 dann den Hirten auch noch die Hirtinnen zugefügt werden … spätestens hier wird deutlich, dass die Lektorin oder der Lektor nicht eine politisch korrekte Rede vorträgt sondern ein historisches Zeugnis, welches zuallererst an die zur entsprechenden Zeit lebenden Zuhörer gerichtet und in eben dem damaligen Sprach- und Kulturkontext gehalten war. Gerade z.B. die vielen Briefe des Paulus waren an ganz konkrete Zeitgenossen (und Zeitgenossinnen) gerichtet. Es ist Sache der oder des Auslegenden, der Predigerin oder des Predigers, die historische Botschaft ins heute zu übersetzen, in ihrer oder seiner Predigt, nicht aber schon im Vortrag des Lesungstextes selber. Sonst könnten wir bei vielen anderen Texten, auch an denen des Ersten Testamentes, schon beim Vortrag selber den Rotstift sowohl bei der Anrede als auch der inhaltlichen Aussage ansetzen. Wir würden dann – egal ob Mann oder Frau – z.B. statt „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ lesen: „Wenn Dir Eine oder Einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihr oder ihm auch die linke hin“. Dies wäre Anmaßung, genau so eine Zeit ausblendende Vereinnahmung, ja gar Verfremdung von Erstem Testament durch das „drüberlesen“ des Zweiten Testamentes, der Perikopen wie der Epistel, durch die Brille unserer heutigen, von der Gleichberechtigung geprägten Zeit. Die Bibel mit ihren vielen Reibungen sollte im Rezipieren nicht geglättet, historische Inhalte nicht ausgefiltert werden, den sie soll nicht verharmonisieren sondern wachrütteln. Davon unberührt bleibt, dass sie durch unser Zeugnis in unsere Zeit durch unser Leben und unsere Auslegung übersetzt werden muss. Sie muss nicht zurecht formuliert werden, sondern unser heutiges Leben anhand ihrer Worte durchleuchtet werden. Dabei leuchtet ihr Licht in tiefere Schichten als der nach der Frage, wer zu welcher Zeit gemeint war, ob Paulus damals schon unsere gleichberechtigten Frauen von heute gemeint hat oder nicht. Im Kontext sind wir immer alle gemeint – egal ob Männlein und/oder Weiblein. Die geneigte Leserin und/oder der geneigte Leser möge bzw. mögen mir nachsichtig sein: dies war ein anstrengend zu schreibender Gedanke, aber mit einem zwinkernden Auge geschrieben …

Orgel – Welt

Nur weil nicht das Geschieht, was wir von einem Gott erwarten, … … können wir nicht sagen: „Es gibt keinen Gott“. Denn vielleicht ist es so: Gott würde ja gerne etwas tun, aber wir lassen es nicht zu, weil wir zu sehr voll sind von dem, was wir glauben, was richtig wäre zu tun – so voll, dass Gottes Tun gar keinen Platz mehr hat in unserer Welt. Vielleicht kann Gott erst dann handeln, wenn wir aufhören zu handeln, wenn wir wahrhaft loslassen und akzeptieren, dass wir nicht das Größte und einzige sind im Universum.

Kaiser – Musik – Entweltlichung

Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser und Gott, was Gott gehört: Welche Musik ist die wahre liturgische Musik? Da produzieren Interpreten, welche sich „Gregorian – Masters of Chant“ nennen, mehrfach prall gefüllte CD‘s mit weltlichen Hits gesungen im Stil gregorianischen Gesanges. Und alle Welt, ob kirchlich sozialisiert oder nicht, kauft diese Musik. Warum? Vermutlich deshalb, weil ihnen das besondere, das ungewöhnliche an diesen eigentlich schon tausendmal gehörten Hits gefällt. Sie alle spüren, dass die „Sprache“ dieser „gregorianischen Interpretation“ etwas besonderes ist, etwas, was dem schon tausendmal gehörten einen anderen „Mehrwert“, eine andere Dimension gibt. Diese „Gregorians“ tun dies sehr erfolgreich! Und was tun „Kirchens“? Wir Liturgie-Verantwortlichen tun genau das umgekehrte: Wir packen geistliche, liturgische Texte in eine musikalische Sprache, die sich an weltliche Musik anlehnt, sie nachahmt, meist aber damit weit hinter dem bleibt, was tatsächliche weltliche Musik vermag. Man will vermutlich modern, zeitgemäß und jugendlich wirken. Erfolgreich? Viele Jugendliche, die nicht kirchlich sozialisiert sind, die mit solcherlei Musik bei Firmungen und anderen Events beglückt werden, zucken mit den Schultern oder machen sich sogar lustig darüber weil sie die Anbiederung dahinter erkennen. Auch hier täte eine „Entweltlichung“ gut.