Freiheit Ohnmacht Allmacht

Es ist wohl so, dass die Allmacht Gottes bei der Freiheit des Menschen aufhört – aber nicht in dem Sinne, dass Gott nicht gegen die Freiheit des Menschen handeln kann weil er machtlos und schwach ist, sondern weil er die Freiheit dem Menschen geschenkt hat und ganz banal gilt: “Geschenkt ist geschenkt und wiederholen ist gestohlen!” Und vielleicht erweist sich die Allmacht und Größe Gottes ja genau darin, dass er seinem Geschöpf, dem Menschen – seinem Ebenbild (!) die Freiheit gibt mit ihm oder gegen und ohne ihn zu leben und zu handeln. Vielleicht erweist sich darin seine wirkliche Größe und Allmacht, weil er nicht versucht dagegen anzustehen sondern auszuhalten und zuzulassen, demütig gegenüber seinem Geschöpf zu sein. Nicht aus Ohnmacht sondern aus wahrer Größe. Wahrhaft mächtig ist der, der seine Macht nicht gebrauchen muss sondern sich Geduld und Nachsicht erlauben kann.

Name Gottes

In einer Predigershow ruft ein Fernsehprediger, um das Publikum zu emotionalisieren und um dem, was gesagt wird, mehr Bedeutung zu geben, in der Manier eines Verkäufers mehrmals immer wieder: “Praise the Lord … Halleluja … In the Name of Jesus … Praise the Lord …” Da kam mir die Mahnung aus der Bibel in den Sinn: “Du sollst den Namen Gottes nicht nutzlos im Munde führen”!

Es kann nur einen geben

Oft hört man: „Der Gott der Christen ist nicht der gleiche Gott wie der Gott der Muslime …“. Wenn man solche Aussagen eins zu eins liest, hieße das dann, dass es neben dem Gott der Christen auch noch andere Götter oder Gottheiten gibt, also neben dem Gott der Christen als dem Dreieinen Gott noch den Gott der Muslime, nämlich Allah? Sitzen sozusagen die Beiden (oder gar vier … ) dann da oben in den Himmeln nebeneinander? Und wenn man sagt „der Gott der Christen … “, ist dann dieser Gott Eigentum der Christen? All das wohl kaum! Alle, die an einen Gott als dem Einzigen, dem Ursprung von Allem, dem Allmächtigen etc. glauben, müssen konsequenter Weise letztlich vom gleichen Gott ausgehen. Und dieser Gott ist niemanden Gott im Sinne von „ … der Gott der … “. Der EINE steht über allem und ist ausserhalb allem, auch den Religionen, niemand hat Anspruch auf IHN, denn er ist kein Götzenbild, von Menschen gemachtes, benanntes und somit manipulerbares, ja besitz- und beherrschbares Götzenbild. Gegen solches Denken richten sich viele Texte des ersten Testaments vehement (z.B.: Jes 44). Wenn der EINE zu Mose sagt „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.“ (Ex 3,6), dann ist das sicher nicht so zu verstehen, dass ER Eigentum oder Erfindung von Abraham, Isaak oder Jakob ist, sondern dass ER der ist, der sich (auch) ihnen gezeigt und erwiesen hat.Der Punkt ist der, dass nicht Allah ein anderer als JHWH oder Jesus Christus oder Heiliger Geist ist, sondern dass wir Menschen von dem EINEN ein unterschiedliches Bild haben, dass wir IHN unterschiedlich erfahren und daher unterschiedlich von ihm reden und denken. All unser Reden und Denken kommt aber immer zu kurz, den es ist menschlich, begrenzt, manchmal sogar verquer. Gott aber ist der unbegrenzte … vor ihm, neben ihm und nach ihm war nichts, ist nichts und wird nie etwas sein, was nicht von ihm, dem EINEN ist. Mögen die religiösen Fahnenschwinger unserer Zeit – egal welchen Bekenntnisses – sich ein Beispiel an den Sterndeutern aus dem Morgenland nehmen (Mt 2, 1-12). Sie hatten die Größe, einem König ihre Ehre zu erweisen, der nicht ihr König war. Und dieser König hatte die Größe, diese Weisen wieder ziehen zu lassen in ihr Land, ihre Kultur, ihre Religion. Sicher, er war noch nur ein Säugling … und doch, es hätte ja ein Engel oder zumindest Maria oder Josef oder ein Hirte … oder Herodes dies stellvertretend tun können! Aber nein, der Engel wies ihnen sogar einen anderen Weg zurück in ihr (!) Land! Niemand hat dem anderen etwas abgestritten, ausgeredet, abgesprochen sondern man hat sich in Ehrerbietung einander zugewandt. Das ist ganz schön viel – auch heute noch!

Gott: Vater oder Mutter?

Gott als Vater meint ja sicher nicht wörtlich das Gott biologisch, geschlechtlich ein Mann, ein Vater ist – es ist ein Bild. Der Vater ist in der Familie, bei der Zeugung der, der etwas "hineinlegt". Die Mutter ist die, die aufnimmt, umgibt umhüllt. So ist der Mensch, wie alles geschaffene, Materie, Element, Erde; aber in ihm ist Geist, der eingegeben wurde, vom Vater. Göttliches in Irdischem. Ohne das Göttliche ist alle Materie sinnlos, ohne Materie ist das Göttliche nicht erleb- und erfahrbar.

Die Freiheit

Ein Junge traf am Ufer eines Sees einen alten Mann, dieser hatte vor sich ein Segelbootmodell aufgerichtet und war nun gerade dabei, aus dem Lehm des Ufers kleine menschliche Figuren zu formen. Neugierig und begeistert schaute der Junge zu. Der alte Mann setzte die Lehmfiguren auf das Segelboot, nahm das Boot in beide Hände und hauchte die Lehmfiguren an. „Was machst Du da?“, fragte der Junge verwundert. „Ich hauche ihnen Leben ein, damit es Matrosen werden.“ antwortete der alte Mann. Während der Junge sprachlos den alten Mann, das Segelboot und die Figuren anschaute, setzte er alte Mann das Segelboot ins Wasser. Der Wind ergriff die Segel und ließ sie wild flattern. Die zum Leben erweckten Figuren erkannten, dass sie Matrosen waren und zogen die Segelleinen an. Das Segelboot nahm Fahrt auf und glitt auf dem Wasser dahin. Der Junge war fasziniert und jubelte: „Ein solch tolles Segelboot habe ich noch nie gesehen!“. Als das Segelboot die Mitte des Sees erreicht hatte, wurde der Wind stärker und neigte das Boot bedrohlich zur Seite. „Du musst das Boot zurück holen sonst wird es kentern und untergehen und die Männchen werden ertrinken!“ rief der Junge voller Angst dem alten Mann zu. Dieser schaute den Jungen fragend an und entgegnete schließlich mit einem leicht empörten Ton: „Das ist ein Segelboot und die Figuren sind Matrosen, Matrosen sind Männer der See, alles was auf dem See geschieht macht ihr Leben als Matrosen aus. Sie sind frei, egal was passiert!“ Aber sie werden untergehen, tu etwas!“ entgegnete der Junge. „Ich werde nichts tun, ich werde dieses Schiff nicht zu meinem Spielzeug und die Matrosen nicht zu Marionetten machen, sie sind Seemänner!“ murmelte der alte Mann. Der Wind wurde stärker, und der Junge schrie auf: „tu endlich etwas, sonst geht das Schiff samt den Matrosen verloren und alles war um sonst!“. Der alte Mann schien ihn nicht zu hören und schaute wortlos dem Segelboot nach. Schließlich brachte tatsächlich eine kräftige Böe das Segelboot zum kentern, die Wellen schlugen über das Segelboot und es begann zu sinken und es nahm all seine Matrosen mit in die Tiefe des Sees. Dem Jungen stiegen Tränen in die Augen und er sah den alten Mann vorwurfsvoll an. Der Alte Mann jedoch legte seine Kleider ab und stieg in den See, er schwamm zur Mitte des Sees, tauchte dort hinab und holte das Segelboot samt der Matrosen wieder empor. Als er mit dem Segelboot und den leblosen Matrosen das Ufer wieder erreicht hatte und an Land stieg, sprach der Junge resigniert: „Das hättest Du mal vorher tun sollen!“. Der alte Mann schaute den Jungen mit ruhigem, tiefem Blick lange an, dann sprach er: Bevor Du das alles gesehen hast, hättest Du geglaubt, dass jemand Lehmfiguren zum Leben erweckt?“. „Nein.“ gab der Junge leise und verunsichert zur Antwort. „Nun bist Du eines besseren belehrt?“ fragte der alte Mann. „Ja.“ antwortete immer noch verstört der Junge. Dann frage ich dich jetzt: „Wenn Du etwas so unglaubliches nun gesehen hast, was hindert dich daran zu glauben, dass ich diese Figuren noch einmal zum Leben erwecke?“. Der alte Mann schaute den sprachlosen Jungen noch einen Moment herausfordernd an, dann nahm er das Segelboot und die Lehmfiguren, drehte sich um und ging fort. Der Junge starrte dem Mann wortlos hinterher. Als der alte Mann schon längst aus seinem Blick verschwunden war, stand er noch immer da, mit einem Blick, der aussah, als würde er weit über das Ende dieser Welt hinaus etwas erspähen.

Exerzitien im Kloster Mehrerau

Ein paar Impulse am Rande der Exerzitien zum 10-jährigen Weihe-Jubiläum. Gedanken: Der Unterschied zwischen Engel und Mensch: der Engel kann nicht anders als Gott loben, darin besteht seine Unfreiheit, seine gute Tat, seine Liebe ist keine freie, freiwillige, auf Liebe gegründete Entscheidung. Der Mensch aber ist in all seinem Tun und Denken frei. Es geht vielleicht gar nicht um seine Gedanken und Taten, die fern von Gott sind – diese tut er weil er sie tut, weil er kann, weil es Seins ist. Das Gute aber was er tut und denkt, ist das was vor Gott allein zählt, denn es ist für Gott und Mensch eine freiwillige Gabe, eine Bereicherung. Gott grämt sich vielleicht weniger über unsere Sünden – denn sie sind nichts als das ausleben unseres Seins – als dass er sich vielmehr über jede Zuwendung zu ihm und zu den Mitmenschen freut! pastedGraphicNichts strahlt von sich aus – außer in Christus dem Auferstandenen Gott selbst! pastedGraphicBei der Austeilung des Leib Christi nimmt der Diakon die Hände der Menschen war! Er „liest“ an ihnen genauso wie Jesus bei der Fußwaschung an den Füßen der Jünger „gelesen“ hatte. Unser Geist neigt dazu, sich in Zukunft oder Vergangenheit, in Sorgen und Nöten oder fernen Hoffnungen zu verlieren. Der Körper ist es, der uns immer wieder ins Hier und Jetzt zurück holt – leider all zu oft z.B. durch Schmerzen. Positiv können wir hier für die Liturgie, für die Gottesbegegnung ableiten: Die Gleichförmigkeit der Bewegungen, die Rituale in der Liturgie verhelfen im Hier und Jetzt – in der Gegenwart Gottes zu sein. Zumindest oder zuerst mit dem Körper, dann folgt vielleicht auch der Geist. Gegenwart Gottes im Leib Christi: pastedGraphic Noch nie so genial bezeugt wie bei diesem Tabernakel: Zwei Engel an den Innenseiten der Türen bewachen und verehren den Leib Christi. Ob offen oder verschlossen, wahrhaftige ewige Anbetung! Gebete: »Herr, Du hast mich doch schon gekannt als Du mich berufen hast! Hilf mir, mich so anzunehmen, wie Du mich schon damals angenommen hast!«. »Herr, ich danke Dir, dass ich da bin, für die zehn Jahre, die ich erleben und „überleben“ durfte«.

Orgel – Welt

Nur weil nicht das Geschieht, was wir von einem Gott erwarten, … … können wir nicht sagen: „Es gibt keinen Gott“. Denn vielleicht ist es so: Gott würde ja gerne etwas tun, aber wir lassen es nicht zu, weil wir zu sehr voll sind von dem, was wir glauben, was richtig wäre zu tun – so voll, dass Gottes Tun gar keinen Platz mehr hat in unserer Welt. Vielleicht kann Gott erst dann handeln, wenn wir aufhören zu handeln, wenn wir wahrhaft loslassen und akzeptieren, dass wir nicht das Größte und einzige sind im Universum.

Es gibt keinen Gott

Nur weil nicht das Geschieht, was wir von einem Gott erwarten, können wir nicht sagen: „Es gibt keinen Gott“. Denn vielleicht ist es so: Gott würde ja gerne etwas tun, aber wir lassen es nicht zu, weil wir zu sehr voll sind von dem, was wir glauben, was richtig wäre zu tun – so voll, dass Gottes Tun gar keinen Platz mehr hat in unserer Welt. Vielleicht kann Gott erst dann handeln, wenn wir aufhören zu handeln, wenn wir wahrhaft loslassen und akzeptieren, dass wir nicht das Größte und Einzige sind im Universum.