Gott – Über die Reihenfolge der Gedanken unter dieser Rubrik

Unter der Rubrik "Gott …" finden sich Gedanken zum Gottesbild. Diese Gedanken entstanden zumeist aufgrund konkreter Erlebnisse bzw. Diskussionen. Daher sind sie in der Reihenfolge nach dem Datum ihrer Veröffentlichung geordnet. So finden sich neue Einträge immer oben bzw. werden als erstes angezeigt. Am Ende mancher Gedanken findet sich noch ein Datum, dieses ist das ursprüngliche Datum der jeweiligen Gedanken als ich diese entweder noch vor den Zeiten dieser Internetseite geschrieben oder erst einmal eine Weile "in der Schublade" liegen hatte. Inhaltlich habe ich die Gedanken mit den römischen Zahlen versucht zu ordnen. So geht es von grundlegenden Gedanken bis hin zum Gottesbild des Christentums. Diese Reihenfolge kann dann als Hilfe zur Ein- bzw. Hinführung und Vertiefung des Gottesglauben dienen. Da sich aber sicher auch in Zukunft noch neue Gedanken ergeben werden, kann sich die Reihenfolge nach den römischen Zahlen nochmals ändern.

Gott XII – Theodizee

Es ist so einfach – so einfach, dass man daran verrückt werden kann! Warum lässt Gott Leid zu? Ich fasse hier nochmals einige meiner Gedanken zusammen, verdichtet und ein wenig ergänzt.

Gott hat dem Menschen die Freiheit gegeben, frei zu sein vor ihm, Frei vor und von Gott. Aber nicht nur dem Menschen hat er diese Freiheit gegeben, sondern seiner ganzen Schöpfung, vom kleinsten atomaren Teilchen über sämtliche Lebensformen angefangen bei den Viren und Einzellern, den Elementen und Naturkräften bis hin zum Lauf der Sterne. Und in dieser Freiheit geschieht Gutes wie Schlechtes, Schlimmes wie Schönes. Blühende Landschaften wie vernichtende Lavaströme, unendlich grausame Taten des Hasses wie übermenschlich selbstaufopfernde Heldentaten aus Liebe.

Und Gott achtet diese Freiheit, weil sie das ist, was diese Welt, was den Menschen zu einem freien, ebenbildlichen Gegenüber macht.

Aber warum greift er denn nicht ein, wenn Menschen anderen Menschen unsagbar grausame Gewalt antun? War in der Menschheitsgeschichte nicht schon längst ein Punkt erreicht, an dem er "Genug!" hätte schreien müssen? Hätte er nicht schon längst seine himmlischen Heere entsenden können um all die Gewalttätigen hinwegzufegen? Ja, das hätte er tun können. Dann wäre Frieden auf Erden.

Aber was für ein Frieden? Ein Frieden, der aus Angst entstehen würde. Ein Waffenstillstand der verängstigten Menschheit mit ihresgleichen und mit Gott. Denn wo wäre die Grenze an dem Gott einschreitet oder nicht? Jeder würde nur noch aus Angst, dass ihn bei der kleinsten Übeltat die vernichtende Hand Gottes ereilt, wie eine deprimierte Marionette durch diese Welt wandeln. Wir hätten eine Diktatur des Guten!

Aber wie hält Gott das dann aus? Wie halten wir Menschen das dann aus? Gott hat es nicht ausgehalten! Denn er ist in Jesus von Nazareth selber Mensch geworden um uns in dem, was diesem Jesus angetan wurde, genau diesen Irrsinn, zu dem Menschen fähig sind, vor Augen zu führen. Und um uns zu zeigen, worin die Lösung des Problems liegt. Im Erkennen, dass Gott die Liebe ist und im Bereitsein, dafür alles zu geben.

Und dieser Gott hatte darauf gehofft, dass wenigstens ein paar Menschen seinen Plan erkennen und in dem nachfolgen, was dieser Jesus von Nazareth vorgelebt hat. Das Menschen keine ohnmächtige Angst mehr vor dem Tod haben und sich so mutig der Finsternis, dem Hass, der Gewalt entgegen stellen. Immer dort, wo Menschen sich selbst zum Wohl anderer zurück nehmen, im Äussersten sogar bis hin zum Aufopfern, dort wirkt Gott. Dort wo einer dem anderen die Hand zur Hilfe und nicht zur Gewalt reicht, dort wo einer sein eigens Wohl, sein eigenes Leben riskiert um ein anderes zu retten, dort wirkt Gott – unter der Achtung der Spielregeln der Freiheit.

So einfach ist es. Verrückt sollten wir nicht an der Frage nach Gottes Wirken sondern an der Frage nach des Menschen Wirken werden! Warum wirkt der Mensch immer noch nicht zum Heil der Welt! Das ist die große Frage!

Gott XIII – Apokalypse

Warum braucht’s noch einen Gott, einen Glauben an ihn? Ist dies in einer solchen Welt noch sinnvoll, nötig, hilfreich, angebracht, gerechtfertigt?

Schaut doch mal in die Welt. Was sehen wir: Systeme von Gewalt und Unterdrückung in Staaten und Institutionen. Zerstörung von Natur und Lebensräumen. Nicht zu bändigende Seuchen und Katastrophen. Verfangenheit in menschlichen Schwächen. In den Kindern pflanzt sich fort, was die Eltern nicht überwunden haben. Konflikte und Hass, Schuld und Rache pflanzt sich fort über Generationen. Die Schere zwischen Arm und Reich, zwischen Fortschritt und Rückschritt, zwischen Heil und Unheil, ist ein Selbstläufer, sie geht nicht mehr zusammen, es ist in umgekehrter Weise wie bei einer Beisssperre eines Hundes.

Die Einen sagen angesichts all dessen, dass Alles immer schlimmer wird. Die Anderen sagen, dass angesichts all dessen und dem, was darin als Aufbruch geschieht, Alles immer besser wird.

Die Einen sagen, das ist die Strafe Gottes, die Anderen sagen, darin verbirgt sich der Heilsplan Gottes.

Nichts von all dem! Alles geschieht in der Freiheit der Schöpfung. Alles geschieht in der Freiheit des Menschen. Morgen kann alles besser werden. Morgen kann alles schlechter werden.

Das Potential dazu haben immer die Menschen. Sie können alles zum Guten wenden oder alles vernichten.

Man kann mit rein humanitären Mitteln, mit vereinten menschlichen, politischen und gesellschaftlichen Kräften Alles in den Griff bekommen. Ein Arzt kann heilen, ohne Glauben und Gott. Ein Sozialarbeiter kann Menschen aus ihrem Elend begleiten, ohne Glauben und Gott. Ein Psychotherapeut kann Menschen helfen, sich aus Verstrickungen zu lösen ohne Glauben und Gott. Ein Forscher kann ein rettendes Medikament entwickeln, ohne Glauben und Gott. Ein Trauerredner kann Trost spenden ohne Glauben und Gott.

Was macht da der glaubende, der Gott bezogene Mensch? Er sitzt da bei seinem morgendlichen Gebet und fragt sich, ob er überflüssig ist, oder zumindest sein Glauben und Gott.

Die Welt kommt mit und ohne diesen glaubenden, Gott bezogenen Menschen zurecht – oder auch nicht. Man kann es drehen und wenden, wenden und drehen.

Zwei Dinge bleiben aber.

Das eine: Ein Kind, welches erwachsen geworden ist, völlig selbstständig und losgelöst von seinen Eltern lebt, hat trotzdem noch einen Vater und eine Mutter. Das Kind kann versuchen, seine Eltern zu vergessen – oder sie trotzdem weiter einfach lieben und mit ihnen in Beziehung leben. Ein glaubender, Gott bezogener Mensch kann sein Leben völlig ohne Gott auf die Reihe kriegen – aber trotzdem seinen inneren Blick von seinem Schöpfer nicht ablassen und mit ihm in Beziehung bleiben.

Das andere. In diesen Tagen, in denen uns alles in die Hände gelegt ist, spüren wir, dass wir alles in den Händen haben – aber wir spüren auch, alles kann uns durch diese Hände zerrinnen.

Vielleicht habe ich sogar den inneren Blick nicht mehr auf einen Gott. Entweder weil ich ihn nicht mehr brauche oder weil ich ihn zwar verzweifelt suche, aber nicht mehr finde.

Im Verborgenen schleicht sich vielleicht das endgültige, sich uns völlig entziehende Unheil an. Ein Virus, der uns immer einen Schritt voraus ist, ein mächtiger Asteroid, den bisher kein noch so gutes Teleskop sehen konnte, ein Kippen der Strömungen der Naturabläufe, die uns allen Halt entziehen, ein Eskalieren einer politischen Größe in einer Geschwindigkeit und Heftigkeit, die alle anderen politischen Kräfte erstarren lässt. Eine dunkle, weil unentdeckte Kraft im Universum, welche alle Auseinanderbewegung des Universums von Jetzt auf Nachher unaufhaltsam wieder zusammenreißt und in einem unendlich kleinen Punkt zum Nichts komprimiert.

Spätestens wenn all das geschieht, werden wir erkennen, dass es nicht mit menschlich rechten Dingen zu geht. Dann werden wir erkennen. Es gibt nichts mehr – ausser Gott.

Betroffen sitzt der glaubende, Gott bezogene Mensch bei seinem morgendlichen Gebet.

Lange schweigen seine Gedanken.

Eine Leere macht sich breit. Keine Leere die Angst macht. Nein, eine Leere die befreit. Denn es zeigt sich: es reicht als Erstes Gott bezogen zu sein. Egal was war, was ist und was sein wird. Er ist!

Und der glaubende, Gott bezogene Mensch erkennt darin, dass er nicht allein ist, dass er – wie ein erwachsenes Kind seine Eltern – noch einen Schöpfer hat. Und dieses Wissen um Gott schenkt dem glaubenden, Gott bezogenen Menschen eine innere Ruhe, einen inneren Frieden. Und diese innere Ruhe, dieser innere Frieden breitet sich aus dem Herzen des glaubenden, Gott bezogenen Menschen aus. Wie ein Licht das leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis wird es nicht ergreifen (nach Joh 1.5). Die Nacht wird hell wie der Tag (Exsultet). Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen (Mt 24.35).

Gott VI – Die Freiheit (eine Parabel)

Ein Junge traf am Ufer eines Sees einen alten Mann, dieser hatte vor sich ein Segelbootmodell aufgerichtet und war nun gerade dabei, aus dem Lehm des Ufers kleine menschliche Figuren zu formen. Neugierig und begeistert schaute der Junge zu.

Der alte Mann setzte die Lehmfiguren auf das Segelboot, nahm das Boot in beide Hände und hauchte die Lehmfiguren an. „Was machst Du da?“, fragte der Junge verwundert. „Ich hauche ihnen Leben ein, damit es Matrosen werden.“ antwortete der alte Mann. Während der Junge sprachlos den alten Mann, das Segelboot und die Figuren anschaute, setzte er alte Mann das Segelboot ins Wasser. Der Wind ergriff die Segel und ließ sie wild flattern. Die zum Leben erweckten Figuren erkannten, dass sie Matrosen waren und zogen die Segelleinen an. Das Segelboot nahm Fahrt auf und glitt auf dem Wasser dahin.

Der Junge war fasziniert und jubelte: „Ein solch tolles Segelboot habe ich noch nie gesehen!“.

Als das Segelboot die Mitte des Sees erreicht hatte, wurde der Wind stärker und neigte das Boot bedrohlich zur Seite. „Du musst das Boot zurück holen sonst wird es kentern und untergehen und die Männchen werden ertrinken!“ rief der Junge voller Angst dem alten Mann zu. Dieser schaute den Jungen fragend an und entgegnete schließlich mit einem leicht empörten Ton: „Das ist ein Segelboot und die Figuren sind Matrosen, Matrosen sind Männer der See, alles was auf dem See geschieht macht ihr Leben als Matrosen aus. Sie sind frei, egal was passiert!“

Aber sie werden untergehen, tu etwas!“ entgegnete der Junge. „Ich werde nichts tun, ich werde dieses Schiff nicht zu meinem Spielzeug und die Matrosen nicht zu Marionetten machen, sie sind Seemänner!“ murmelte der alte Mann.

Der Wind wurde stärker, und der Junge schrie auf: „tu endlich etwas, sonst geht das Schiff samt den Matrosen verloren und alles war um sonst!“. Der alte Mann schien ihn nicht zu hören und schaute wortlos dem Segelboot nach.

Schließlich brachte tatsächlich eine kräftige Böe das Segelboot zum kentern, die Wellen schlugen über das Segelboot und es begann zu sinken und es nahm all seine Matrosen mit in die Tiefe des Sees.

Dem Jungen stiegen Tränen in die Augen und er sah den alten Mann vorwurfsvoll an. Der Alte Mann jedoch legte seine Kleider ab und stieg in den See, er schwamm zur Mitte des Sees, tauchte dort hinab und holte das Segelboot samt der Matrosen wieder empor.

Als er mit dem Segelboot und den leblosen Matrosen das Ufer wieder erreicht hatte und an Land stieg, sprach der Junge resigniert: „Das hättest Du mal vorher tun sollen!“. Der alte Mann schaute den Jungen mit ruhigem, tiefem Blick lange an, dann sprach er: Bevor Du das alles gesehen hast, hättest Du geglaubt, dass jemand Lehmfiguren zum Leben erweckt?“. „Nein.“ gab der Junge leise und verunsichert zur Antwort. „Nun bist Du eines besseren belehrt?“ fragte der alte Mann. „Ja.“ antwortete immer noch verstört der Junge. Dann frage ich dich jetzt: „Wenn Du etwas so unglaubliches nun gesehen hast, was hindert dich daran zu glauben, dass ich diese Figuren noch einmal zum Leben erwecke?“.

Der alte Mann schaute den sprachlosen Jungen noch einen Moment herausfordernd an, dann nahm er das Segelboot und die Lehmfiguren, drehte sich um und ging fort.

Der Junge starrte dem Mann wortlos hinterher. Als der alte Mann schon längst aus seinem Blick verschwunden war, stand er noch immer da, mit einem Blick, der aussah, als würde er weit über das Ende dieser Welt hinaus etwas erspähen.

29.07.2012

Gott XI – Ist ein Mensch gewordener Gott wirklich eine unvorstellbare Schwäche, ein Witz der Geschichte oder gar Gotteslästerung?

Zuerst nochmals zurück zum Anfang: das Nichts hielt sich selbst nicht aus … (Siehe auch „Das Nichts, das Sein und das Universum in seiner immer schnelleren Ausdehnung“) … Es war also Etwas. Dieses Etwas ist doch gewiss größer als wir kleinen Menschlein. Dieses Etwas ist doch gewiss größer als alle Gesetze und Gegebenheiten dieses Universums. Denn wenn es das erste, das ursprüngliche und einzige Etwas war, dann hat es alles hervorgebracht und umfasst. Dieses Etwas nenne ich hier Gott. Weil alles, was nun ist, in weitestem und in konkretestem Sinne Dialog ist, muss ich von diesem Gott als dem Etwas reden, dass dialogfähig ist. Damit ist dieses Etwas, dieser Gott lebendig, denn Dialog ist doch Leben.

Wenn nun Gott alles hervorgebracht hat, sogar das Leben, weil er selbst Leben ist, dann hat er schon „ziemlich was auf dem Kasten“, also will ich ihm zugestehen, dass er was kann, dass er alles kann, denn er hat alles gekonnt – anders gesprochen, er hat alles geschaffen was ist, also ist er allem mächtig, sprich allmächtig.

Und sollte es diesem Gott, dem Einzigen, dem Ursprung von allem dann nicht auch möglich sein, sich seinem Geschöpf Mensch im Wesen eines Windhauchs, des Ruach, des Pneuma, des Heiligen Geistes zu begegnen? Und ist es ihm dann nicht sogar möglich, ohne seine Göttlichkeit in Frage zu stellen, sich im Wesen eines wahrhaftigen Menschen dem Menschen zuzuwenden? Ist nicht gerade dies erst der Beweis, dass er ganz und gar Gott ist – weil er das kann und weil er das gewagt hat um den Menschen trotz dessen Freiheit vor ihm, Gott, gegenüber zu treten und ihm die Hand der Versöhnung, der Barmherzigkeit, der Liebe entgegen zu halten?

Und wie könnte ein Gott Barmherzigkeit als sein Wesenszug benennen, wenn er sie nicht auch zeigt? Wie aber will er sie wahrhaftig und glaubhaft zeigen, wenn er sie nicht ganz und gar lebt? Wie will Gott seine Barmherzigkeit ganz und gar leben, wenn er nicht selber das wird, was er wahrhaftig liebt?

Gott konnte nicht anders als das was er in seiner Allmächtigkeit wahrhaftig konnte: ganz Mensch werden.

05.01.2021

Gott IV – Er kann nicht erkennbar sein (oder Gewissheit von Gott?)

Wenn Gott der unendliche, der allmächtige, der unbegrenzte, der Urgrund und die Fülle des Lebens und der Liebe, Anfang und Ende, Licht der Lichter, König der Könige, Schöpfer allen was war, was ist und was sein wird ist. Dann muss er die Überfülle von allem sein.

Wie würde es uns gehen, wenn wir hier auf Erden ihm in dieser umfassenden Größe begegnen würden und ihn ganz erfassen würden (was wir nicht können), was würde dann mit uns geschehen? Wären wir des Todes? Nicht weil er uns tötet sondern weil uns diese Fülle aus dieser Welt heraus reißen würde? Weil, wie es die Mystiker auch ähnlich beschreiben, sein Licht uns blenden würde wie die Sonne?

Also kann uns Gott hier in unserer Welt gar nicht voll und ganz erkennbar begegnen.

Aber mit wieviel weniger, mit wieviel verhüllendem Mantel könnte er es – ohne das wir vergehen? Wo ist da die Grenze? Gibt es da eine, für alle geltende Grenze? Wäre die Grenze schon dort überspannt, wo ich durch seine Schau Gewissheit seiner Gegenwart bekomme? Wäre ich schon da am vergehen aus dieser Welt?

Kann ich also hier von Gott gar keine Gewissheit erlangen weil ich sonst nicht in dieser Welt als sein, aber von und vor ihm freies, Geschöpf existieren kann?

29.03.2020

Gott VII – Wie glaubhaft Zeugnis geben (wie verantwortet von Gott reden?)

Selig sind, die nicht sehen und doch Gauben (Joh 20, 29).

Es gibt Menschen, die glauben und denken niemals darüber nach, ob ihr Glaube verantwortet, begründet ist oder nicht. Es gibt genau so Menschen, die nicht glauben und niemals darüber nachdenken, ob ihr Nichtglaube verantwortet, begründet ist oder nicht. Und es gibt aber auch Menschen, die wie Thomas, genannt Didymus (Zwilling), verantworten wollen, was sie glauben.

Es ist schon was dran, wenn es einem schlecht geht, fällt es leicht zu glauben. Es ist wie mit einem Ertrinkenden, er fragt sich nicht, ob der Rettungsring ihn wirklich trägt, er greift einfach danach. Aber wer schwimmen kann, der fragt sich, ob der Ring ihn halten könnte, wenn es drauf an kommt und gar, ob der Ring überhaupt notwendig ist.Wenn es einem gut geht, kann es wirklich sehr schwer sein, zu glauben.

Als Diakone sind wir zu Zeugen berufen: "Empfange das Evangelium Christi: Zu seiner Verkündigung bist Du bestellt. Was Du liest, ergreife im Glauben; was du glaubst, das verkünde, und was du verkündest, das erfülle mit Leben." (Aus der Weiheliturgie).

Wie kann man heute, als Diakon das Evangelium verkünden, ja bezeugen, wenn man nicht wie Thomas den Auferstandenen gesehen hat, die Möglichkeit gehabt hätte, seine Finger in die Hände und Seite Jesu zu legen?

Wie kann man heute verantwortet glauben und verkünden in einer Zeit, in der keine Wunder mehr geschehen, in der jeden Tag in allen Bereichen menschlichen Lebens Wahrheiten, Wissen, Erkenntnisse, Werte und Gesetze über den Haufen geschmissen, widerlegt werden?

Wie kann man angesichts der immer erstaunlicheren, ja gar widersprüchlicheren Entdeckungen in der Astronomie und Astrophysik die Frage nach einem Ursprung und Ziel alles Seiendem beantworten?

Die Spannung zwischen der Notwendigkeit und der Unmöglichkeit eines Gottes scheint immer größer zu werden. Innerhalb unseres gesicherten Erfahrungshorizontes können wir die Welt und die Geschicke der Menschen mit aber auch genauso ohne einen Gott erklären.

Ob nun mit oder ohne Gott, die entscheidende Frage ist die nach dem Sinn. Macht menschliche Existenz in dieser Welt Sinn?

Wenn am Ende der Tod alles nichtig macht? Wenn am Ende das ganze Universum wieder in sich zusammen fällt und zurück geht in die sogenannte Singularität?

Der Glaube an Gott macht nur dann Sinn, ist nur dann gerechtfertigt und verantwortbar, wenn es den Tod nicht gibt oder wenigstens seine Macht durchbrochen ist. Die Entscheidung für einen Glauben an Gott steht und fällt mit der Frage nach dem Tod und der Auferstehung. Also sind wir wieder dort, wo Thomas steht. Wir wollen, ja wir müssen sehen! Aber wie?

Wir können nicht hergehen und sagen „jemand hat gesagt, dass …“ oder „ich habe gelesen, dass …“. Das funktioniert heute in unserer Zeit nicht mehr. Vielleicht war eine Zeit noch nie so frei von Gott, so frei von Wundern und so frei von Wahrheiten wie die unsrige.

Vielleicht hatte Gott dies kommen sehen. Die Menschen zu Zeiten Jesu lebten noch in einem anderen Kontext, in einer anderen Wirklichkeit und Beziehung zu Gott. Für sie war er unhinterfragbare Tatsache. Wir aber sind heute frei – und damit auch in der Gefahr verloren zu gehen.

Vielleicht also hatte Gott dies kommen sehen, vielleicht ist das Teil seines Schöpfungsplans, dass die Menschheit irgendwann, wie Kinder eben, frei werden von ihrem Vater. Wir sind so frei, dass wir nichts mehr in der Hand haben für Gott. Ja, vielleicht hat Gott dies gewusst und geplant.

Ich frage mich: ist das Turiner Grabtuch für uns heute das, was die Hände und Seiten Jesu für Thomas waren? Wurde das Tuch bei der Auferstehung durch ein Licht so belichtet, dass das Abbild dann, wenn alle anderen Zeichen und Wunder vergehen, durch eine dann erst mögliche Technik, der Fotografie, dieses Abbild erst sichtbar wird? War Gott also gnädig mit den Menschen, die heute in unserer Zeit wie Thomas fragen um verantwortet und wahrhaftig Zeugnis abgeben zu können?

29.03.2020

Gott X – Es kann nur einen geben

Oft hört man: „Der Gott der Christen ist nicht der gleiche Gott wie der Gott der Muslime …“.

Wenn man solche Aussagen eins zu eins liest, hieße das dann, dass es neben dem Gott der Christen auch noch andere Götter oder Gottheiten gibt, also neben dem Gott der Christen als dem Dreieinen Gott noch den Gott der Muslime, nämlich Allah?

Sitzen sozusagen die Beiden (oder gar vier … ) dann da oben in den Himmeln nebeneinander?

Und wenn man sagt „der Gott der Christen … “, ist dann dieser Gott Eigentum der Christen?

All das wohl kaum!

Alle, die an einen Gott als dem Einzigen, dem Ursprung von Allem, dem Allmächtigen etc. glauben, müssen konsequenter Weise letztlich vom gleichen Gott ausgehen. Und dieser Gott ist niemanden Gott im Sinne von „ … der Gott der … “. Der EINE steht über allem und ist ausserhalb allem, auch den Religionen, niemand hat Anspruch auf IHN, denn er ist kein Götzenbild, von Menschen gemachtes, benanntes und somit manipulerbares, ja besitz- und beherrschbares Götzenbild. Gegen solches Denken richten sich viele Texte des ersten Testaments vehement (z.B.: Jes 44). Wenn der EINE zu Mose sagt „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.“ (Ex 3,6), dann ist das sicher nicht so zu verstehen, dass ER Eigentum oder Erfindung von Abraham, Isaak oder Jakob ist, sondern dass ER der ist, der sich (auch) ihnen gezeigt und erwiesen hat.

Der Punkt ist der, dass nicht Allah ein anderer als JHWH oder Jesus Christus oder Heiliger Geist ist, sondern dass wir Menschen von dem EINEN ein unterschiedliches Bild haben, dass wir IHN unterschiedlich erfahren und daher unterschiedlich von ihm reden und denken. All unser Reden und Denken kommt aber immer zu kurz, den es ist menschlich, begrenzt, manchmal sogar verquer. Gott aber ist der unbegrenzte … vor ihm, neben ihm und nach ihm war nichts, ist nichts und wird nie etwas sein, was nicht von ihm, dem EINEN ist. Mögen die religiösen Fahnenschwinger unserer Zeit – egal welchen Bekenntnisses – sich ein Beispiel an den Sterndeutern aus dem Morgenland nehmen (Mt 2, 1-12). Sie hatten die Größe, einem König ihre Ehre zu erweisen, der nicht ihr König war. Und dieser König hatte die Größe, diese Weisen wieder ziehen zu lassen in ihr Land, ihre Kultur, ihre Religion. Sicher, er war noch nur ein Säugling … und doch, es hätte ja ein Engel oder zumindest Maria oder Josef oder ein Hirte … oder Herodes dies stellvertretend tun können! Aber nein, der Engel wies ihnen sogar einen anderen Weg zurück in ihr (!) Land! Niemand hat dem anderen etwas abgestritten, ausgeredet, abgesprochen sondern man hat sich in Ehrerbietung einander zugewandt. Das ist ganz schön viel – auch heute noch!

05.01.2013

Gott VIII – Sindone

Je mehr die Wissenschaft forscht, um so mehr, so scheint es, wird ausgeschlossen, dass das Grabtuch von Turin Menschenwerk ist.

Aber erklären, was es ist, kann die Wissenschaft auch nicht. Drängt sich die philosophische oder theologische Frage auf, ob der gegen absolut gehende Ausschluss von negativen Befunden letztlich ein Zeugnisse für die Echtheit ist. Wenn es aber echt ist, was auch für einen rational denkenden Menschen immer schwerer nicht zu Glauben ist, was macht das dann mit uns? Beraubt es uns dann unserer Freiheit zu Glauben was wir wollen? Was ist dann mit all jenen, die Atheist oder gar Gläubige einer anderen herkömmlichen Religion sind? Was, wenn Nathan der Weise sich geirrt hat? Spannende Frage! Der Glaube der Christen würde erstarken, auf Kosten des Weltfriedens – den es eh nicht gibt!? Was ist zu gewinnen, was steht auf dem Spiel? Gibt es eine Wahl? Bekommt da Matthäus Kapitel 27, Vers 51 nicht nur eine bildhafte sondern gar eine prophetische Aussage, wenn dort steht: »Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte und die Felsen spalteten sich.«?
Was steht da in der Apokalypse?

Mehr zum Sindone unter:
http://www.volto-santo.com/News/news.html

15.05.2013

Gott V – Freiheit Ohnmacht Allmacht

Es ist wohl so, dass die Allmacht Gottes bei der Freiheit des Menschen aufhört – aber nicht in dem Sinne, dass Gott nicht gegen die Freiheit des Menschen handeln kann weil er machtlos und schwach ist, sondern weil er die Freiheit dem Menschen geschenkt hat und ganz banal gilt: “Geschenkt ist geschenkt und wiederholen ist gestohlen!”

Und vielleicht erweist sich die Allmacht und Größe Gottes ja genau darin, dass er seinem Geschöpf, dem Menschen – seinem Ebenbild (!) die Freiheit gibt mit ihm oder gegen und ohne ihn zu leben und zu handeln. Vielleicht erweist sich darin seine wirkliche Größe und Allmacht, weil er nicht versucht dagegen anzustehen sondern auszuhalten und zuzulassen, demütig gegenüber seinem Geschöpf zu sein. Nicht aus Ohnmacht sondern aus wahrer Größe. Wahrhaft mächtig ist der, der seine Macht nicht gebrauchen muss sondern sich Geduld und Nachsicht erlauben kann.

28.12.2014

Gott IX – Vater oder Mutter?

Gott als Vater meint ja sicher nicht wörtlich das Gott biologisch, geschlechtlich ein Mann, ein Vater ist – es ist ein Bild. Der Vater ist in der Familie, bei der Zeugung der, der etwas "hineinlegt". Die Mutter ist die, die aufnimmt, umgibt umhüllt.

So ist der Mensch, wie alles geschaffene, Materie, Element, Erde; aber in ihm ist Geist, der eingegeben wurde, vom Vater. Göttliches in Irdischem. Ohne das Göttliche ist alle Materie sinnlos, ohne Materie ist das Göttliche nicht erleb- und erfahrbar.

09.08.2012

Gott III – "Ach was, es gibt keinen Gott"

„Ach was, es gibt keinen Gott!“ – So höre ich’s immer wieder. Manchmal fast empört, weil man scheinbar immer noch von diesen Mitmenschen erwartet, dass sie an einen alten Mann mit Bart glauben sollen, der dann auch für alles verantwortlich ist oder auch nicht, er dann auch alles macht oder auch nicht, der dann auch alles straft oder auch nicht. Es schwingt Empörung mit in solchen Aussagen, Auflehnung, Aufregung. Und irgendwie habe ich das Gefühl, es geht oft gar nicht gegen einen Gott sondern gegen Menschen, die von Gott oft so reden, wie sie glauben, dass er sein müsste: mal strafend, mal moralinsauer, mal übermächtig, mal desinteressiert. Über Gott zu reden, ist dann so gut wie unmöglich.

Ich will trotzdem versuchen, nüchtern eine Annäherung zu wagen. Stellen wir uns eine Skala vor. Aus unserer Sicht: ganz unten stehen die einfachsten Lebensformen wie Einzeller, Bakterien Viren, etc. Dann kommen irgendwann komplexere Lebensformen wie Würmer, dann Insekten, dann Vögel und Säugetiere und dann der Mensch. Wie gesagt, dass ist unsere Sicht. Ist dann diese Skala mit dem Menschen an oberster Stelle zu Ende? Gibt es keine Lebensform, die noch weiter oben oder anders aber auf gleicher Ebene steht? Hier auf Erden nach unserem derzeitigen Kenntnisstand nicht. Gerade die „Gottablehner“ lehnen aber auch eben den biblischen Gedanken, dass der Mensch die Krone der Schöpfung sei, ab. Also müssten gerade diese Menschen den Gedanken zulassen, dass es noch höhere Lebensformen gibt als den Menschen. Und wenn man in die komplexen Dimensionen der Naturwissenschaften schaut, was sie alles entdeckt an Information, an komplexem und damit letztlich intelligentem Zusammenspiel der Kräfte und Gewalten, dann muss man die Skala der Entwicklung über die Stufe des Menschseins noch weiter denken. Bis wohin? Gibt es ein Ende dieser Skala? Was ist dann das Ende dieser Skala? Muss die Form von Information, von Intelligenz, von Komplexität nicht erheblich, ja unermesslich größer sein, als alles was wir dann doch sehr begrenzten Menschen sehen, erfahren, ermessen können?

Wenn die Komplexität und Informationsintelligenz unseres Universums als dem Ganzen was ist, so unvorstellbar groß ist, liegt es dann wirklich fern, davon zu Reden, dass es etwas gibt, das Information, Intelligenz ist, welche all das umfasst, begründet? Wir müssen nüchtern diese Möglichkeit zu lassen.

Und dann kommt der spannende Punkt: wie reden wir darüber, davon, wie stehen wir in Beziehung dazu? Hat diese wie auch immer seiende größtmögliche Dimension von Information und Intelligenz etwas mit uns zu tun? Gibt es einen Fluss von Information zwischen Mensch und dieser Dimension? Und wenn ja, wie sieht dieser aus? Hier fängt sie an, die Rede von, mit und über GOTT.

29.01.2019

Gott II – Es gibt keinen Gott

Nur weil nicht das Geschieht, was wir von einem Gott erwarten, können wir nicht sagen: „Es gibt keinen Gott“. 

Denn vielleicht ist es so: Gott würde ja gerne etwas tun, aber wir lassen es nicht zu, weil wir zu sehr voll sind von dem, was wir glauben, was richtig wäre zu tun – so voll, dass Gottes Tun gar keinen Platz mehr hat in unserer Welt. 

Vielleicht kann Gott erst dann handeln, wenn wir aufhören zu handeln, wenn wir wahrhaft loslassen und akzeptieren, dass wir nicht das Größte und Einzige sind im Universum.

01.03.2011

Gott – Das Nichts, das Sein und das Universum in seiner immer schnelleren Ausdehnung

Das Nichts ist nicht das Nichtvorhandensein von etwas – so wie z.B. die Dunkelheit das nicht Vorhandensein von Licht ist – denn die Dunkelheit definiert sich durch bzw. bezieht sich auf etwas, nämlich das Licht. Somit ist Dunkelheit auch etwas.

Das Absolute Nichts aber ist nur dann nichts, wenn es in keinem Bezug zu irgendetwas steht. Da es aber etwas gibt, nämlich alles was ist, ob Staubkorn, Gedanke, oder Universum, kann es in unserer Realität das Absolute Nichts nicht geben (also auch nicht den Tod).

Wenn es aber das Absolute Nichts einmal vor allem was ist gegeben haben sollte – und das ist dann auch schon wieder ein Bezug – dann hielte das Nichts sich selbst nicht aus, das Absolute Nichts würde in sich selbst verschwinden. Eine Implosion des Nichts in sich selbst. Aus dieser Implosion würde aufgrund der Tatsache, dass eine Implosion etwas ist, etwas entstehen, nämlich das Gegenteil: eine Explosion des Sein. Dieses Sein wäre das Gegenteil von Nichts und in letzter Konsequenz unendlich. Demnach wäre der Urknall nicht eine Ausbreitung von einer begrenzten Menge von Elementen sondern eine unendliche Neuentstehung und Ausbreitung von Existenz. Die Erschaffung der Welt dauert also noch an?!