Sport treiben, ist hart, glauben ist härter!

Wenn ich mich im Internet bewege, dann ploppen immer wieder Bilder und Filmchen auf, in denen Menschen sich mit irgendwelchen Pulvern für die „tägliche Routine“ optimieren, oder trainierende Männer in allen Altersgruppen, ja sogar Graubärtige mit großen Muskelpaketen. Mir wird gesagt welches harte Training ich dafür machen muss. Selbstoptimierung ist anstrengend, hart, braucht strenge Disziplin und Durchhaltevermögen! Viele sind wohl bereit, für diese Optimierung einiges an Anstrengung und Qual auf sich zu nehmen.
Dem entgegen gibt es aber in unseren Kirchen den Trend, den religiös geübten oder nicht geübten Menschen die Schwellen zum Glaubensleben möglichst niedrig und leicht zu halten.
„Sport ist hart, glauben ist härter!“
Im morgigen Evangelium (Lk 9,28b-36) schaue ich auf Petrus und die anderen beiden Jünger, die Jesus auf einen hohen Berg folgen. Der Aufstieg eine Strapaze, ohne Trekking-Kleidung und Hightech-Bergstiefel in sengender Hitze! Oben angekommen ereignet sich ein Wunder, welches nicht nur uns heute sondern auch die Jünger damals die Augen reiben ließ. Jesus wird in weißem Licht in seiner Gestalt verwandelt und es erscheinen Mose und Elija. Bei allem Zweifel überkommt Petrus aber auch große Euphorie. Und so will er drei Hütten bauen. Es scheint, dass dies eine „Überschuß-Idee“ aus Überforderung angesichts dieser größeren Wirklichkeit ist.
Wortlos gehen sie miteinander wieder den Berg hinab, verbleiben im Schweigen auch die nächsten Tage.
Wie geht es uns mit dem Glauben, mit dem, was wir manchmal an unverständlichem, wundersamen wahrnehmen? Wie geht es uns, wenn wir auch nur ansatzweise etwas von dem erahnen, was die Jünger damals nicht nur auf dem Berg erlebt haben?
Flüchten wir uns in eine Ablenkung, sogar ganz aus dem Religiösen, weil uns die unglaubliche Wirklichkeit zu sehr erschüttert?
Sich auf den Glauben an Christus einzulassen ist eine sehr harte, vielleicht die härteste Übung, weil sie mehr als alles andere unser bequemes Leben ja unsere Existenz an, und vielleicht auch hinterfragt.
Die Fastenzeit könnte eine Aufforderung sein, dies anzuschauen und sich auf diese anstrengende Anfrage einzulassen.
Dieser Gedanke erschien als Wort zum Sonntag zum 2. Fastensonntag im Jahreskreis C (Lk 9,28b-36) im Haller Tagblatt und im Hohenloher Tagblatt am 15.03.2025

Himmel und Erde und Dazwischen ...

oder: unfassbare Zeiten.

Es gibt wohl Dinge im Himmel und auf Erden und dazwischen von denen wir nicht nur gedacht haben, dass es sie nicht gibt, sondern von denen wir deswegen nicht gedacht haben, dass es sie nicht gibt, weil wir überhaupt gar keine Vorstellung oder Ahnung von ihnen hatten.

Aber wir werden vielleicht dann doch einmal feststellen dass es sie gibt.

Dann aber müssen wir vorsichtig sein in dem, was wir davon halten und wie wir damit umgehen. Dann sind wir herausgefordert daran fest zuhalten, was unser Glaube ist. Dass, egal was passiert und was sich uns zeigt, wir zwar nicht bezweifeln, dass sich uns Undenkbares zeigt, aber wir festhalten an dem, dass am Ende von Allem Christus und mit ihm der dreieinige Gott steht. Wenn wir daran nicht fest halten, werden wir uns in den Undenkbaren Dingen zwischen Himmel und Erde verirren und verlieren.

Wenn wir aber an IHM festhalten, an seiner Wahrheit, an seiner Liebe, an seiner Barmherzigkeit, dann werden wir die Undenkbaren Dinge zu unterscheiden wissen und sehen, was aus seiner Liebe kommt und was nicht.

Warum nur Männer

Warum hatte Jesus nur Männer in seine Apostelschar berufen und mit ihnen das Abendmahl gefeiert?

Für diese Frage gibt es sicher nicht nur eine Erklärung. Aber ein möglicher Teilaspekt zu diesem Thema geistert schon lange in meinem Kopf herum. Hier und da habe ich ihn in Diskussionen auch schon eingebracht, aber ich hatte mich bisher nicht getraut, ihn hier zu veröffentlichen.

Nun will ich es doch wagen:

Einmal angenommen, Jesus hätte auch einige Frauen in diese Zwölftergruppe berufen, was wäre dann in dieser Gruppe passiert?

Hätten diese Frauen dann auch Anteil an der Macht bekommen?
Mal abgesehen davon, um welche Macht es tatsächlich geht, wäre das Ganze vielleicht für die Frauen gar nicht gut ausgegangen, selbst wenn oder gerade dann, wenn Jesus sogar nur Frauen berufen hätte.

Denn was hat Jesus beim letzten Abend mal getan? Klar, zum einen hat er seinen zwölf Jüngern aufgetragen, sein Leib und sein Blut zu empfangen zur Vergebung der Sünden, sie waren also allesamt Sünder, zum zweiten hat er Ihnen aufgetragen, dies zu seinem Gedächtnis immer wieder zu feiern, aber nicht nur für sich, sondern mit und für alle, die sich zu Christus bekennen. Wenn also die zwölf Apostel dieses Mal feiern, dann nicht als Ausübung von Macht, sondern als ein Dienst an den Menschen und in der Bereitschaft, sich selber ganz für die Sache Jesu hinzugeben – und selbst dann, wenn es so wie Jesus, das Leben kostet. Wer also dieses Mal feiert, gewinnt nicht wirklich Macht im weltlich Sinne, sondern gibt sich selbst völlig auf und stellt sich ganz in den Dienst Gottes.

Und ein drittes, welches das Ganze noch mehr verdeutlicht, ist die Fußwaschung!
Auch hier der Auftrag Jesu an seine zwölf Jünger, es ihm gleich zu tun und einander die Füße zu waschen, und sicherlich nicht nur untereinander, sondern auch allen, die sich zu Christus bekennen und/oder in der Gesellschaft ganz unten stehen und in großer Not leben. Ein Jünger also, der in diesem Sinne Füße wäscht, übt nicht Macht aus, sondern stellt sich selbst noch unter den Menschen, der in der Gesellschaft schon ganz unten steht.

Wenn nun also Frauen unter den Zwölf gewesen wären, was wäre dann an dieser Stelle passiert?

Dann wäre vielleicht das fortgeschrieben und vielleicht sogar verfestigt worden, was damals schon lange galt und auch bis heute immer noch weit verbreitete Praxis ist: die Männer unter den Zwölfen hätten den Frauen unter ihnen den Dienst am Anderen überlassen, von der Spendung der Sakramente bis hin zum Waschen der Füße. Sie hätten also vermutlich gesagt: „Macht ihr das mit dem Füße waschen, mit dem Gaben bereiten und dem Tisch aufräumen (das, was dann der Dienst des Diakons wurde), denn das ist doch eure Aufgabe die Ihr besser könnt als wir. Wir kümmern uns lieber weiterhin um das Studium der Schrift und dem, was sonst noch so alles Sache von Männern ist."

Mit der Berufung von Frauen in die Schar der Zwölf hätte Jesus eben nicht, wie es heute Manche meinen, ein deutliches Zeichen entgegen der damaligen patriarchalen Ordnung gesetzt sondern hätte dieses System fortgeführt. Weil er aber nur Männer berufen hat und ihnen genau dieses aufgetragen hat, nämlich zu dienen, genau deshalb hat er das System des Patriarchats auf den Kopf gestellt. Führende Männer in seiner Nachfolge sollen eben genau das Gegenteil tun von dem, was im weltlichen Bereich führende Männer tun. Er hat ihnen die Aufgaben gegeben, die üblicherweise die Frauen zu tun hatten. Jesus hat also, durch die Berufung von ausschließlich zwölf Männern, nicht die Frauen von etwas ausgeschlossen, sondern die Männer hinein genommen in diese dienenden Aufgaben, die bisher Frauen getan haben. Damit hat er ein ganz deutliches Zeichen entgegen aller üblichen Herrschaftssysteme gesetzt.
Nur leider haben dies trotzdem bis heute die allerwenigsten Menschen verstanden, egal ob Männer oder Frauen. Alle schauen immer noch nur auf die scheinbare Machtfülle eines Amtes, nicht nur in den weltlichen Bereichen, sondern eben auch in den kirchlichen Bereichen. Frauen, die in weltlichen oder religiösen Systemen in Führungspositionen gelangen, sind entgegen allen Beschwörungen in ihrem Tun genau so Machtsystem orientiert wie Männer.

Egal wo und wer, immer noch schauen leider viel zu wenige darauf, dass Jesus eigentlich dazu berufen hat, sich selbst zu veräußern und sich dem Nächsten zu unterwerfen, sich hinzugeben für Gott und die Nächsten.

Und noch ein letzter, sehr provokanter Gedanke: was wäre, wenn Jesus eine Frau gewesen wäre? Dann hingen heute in unseren Kirchen an den Kreuzen eine Frau. Ich glaube, die Sache Jesu wäre in eine ganz andere, aber keine bessere sondern in eine noch viel schlimmere Richtung gelaufen.

Wie eingangs gesagt, diese Gedanken sind nur ein Teilaspekt der Frage, warum Jesus und seine zwölf Apostel Männer waren. Vielleicht auch nicht der wichtigste Aspekt, aber einer, der den aktuellen Diskussionen vielleicht einmal etwas ganz Anderes als das Übliche entgegen stellt.

Auferstehung

Eine nicht – oder früher schon mal ähnlich – gehaltene Predigt

In diesen Tagen können wir wieder auf verschiedene Versuche stoßen, wie Theologen die Auferstehung deuten. Und sie kommen immer wieder auch zu der Deutung, dass Auferstehung auch oder gar nur meint, dass wir schon in diesem Leben immer wieder aufstehen, uns aufrichten.

Mir kommt das immer wieder ein bisschen wie ein Gerede eines Motivations-Coaches oder gar eines Thrill-Commanders: steh auf, lass dich nicht gehen. Lass dich nicht hängen. Sei stark, kämpfe! Halte durch…

Mir kommt das vor wie ein verzweifeltes Versuchen die Auferstehung, die wirkliche Auferstehung von den Toten, an die man nicht so recht glauben kann, weil weil sie alles menschliche Verstehen übersteigt, so herunter zu brechen, dass ich sie irgendwie stehen lassen kann, irgendwie mit ihr etwas anfangen kann.

Wäre Auferstehung aber nur ein immer wieder neues Aufstehen im irdischen Leben, nachdem man gestolpert, gefallen gestrauchelt ist, dann wäre das wirklich nur etwas, was wir Menschen aus eigener Kraft tun. Okay, vielleicht unterstützt durch ein gutes Zureden genau solcher Theologen und ihrer Motivations-Appelle, oder durch die Hilfe von Mitmenschen.

Für mich beginnt aber Auferstehung genau da, wo ich am Ende bin, wo ich mit meinen menschlichen Kräften nichts mehr erreichen kann, wo ich am Boden liege, wo ich sogar schon tot bin. Wo keine menschlichen Kräfte reichen, mich aufzurichten, wieder zu beleben, in dieses Leben zurückzurufen. Hier fängt doch erst die Notwendigkeit einer Auferstehung an. Einer Auferstehung aus dem Tod aus der völligen Ohnmacht aus dem Nichts. Das kann ich nicht selber mit irgendwelchen nicht mehr vorhandenen letzten Reserven selber bewirken, sondern dass kann nur noch Gott bewirken. Er ist der, der mich, wenn ich am Ende bin, zu neuem Leben ruft. Er ist der, der diesen gemarterten, ausgebluteten, toten Jesus nach drei Tagen im Grab herausholt und ewiges Leben gibt.

Ist dann aber Auferstehung wirklich etwas, was ich erst am Ende meines Lebens von null auf 100 erfahre? Oder gibt es doch auch in unserem diesseitigen Leben schon Auferstehungserfahrungen, so wie es anfangs genannte Theologen versuchen zu vermitteln und was wir uns alle ja immer wieder wünschen, um ein bisschen an das Wunder glauben zu können?

Ja, solche Erfahrungen gibt es. Aber sie sind – noch einmal – nicht Erfahrungen, in denen ich mich wie Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehe, sondern Momente, Erlebnisse, in denen ich spüre: hier wirkt etwas, was ich mit meinen eigenen Kräften nicht bewirkt haben kann. Für mich sind es Momente, in denen mir in meiner Begrenztheit Dinge zuwachsen, die nicht aus mir oder aus anderen Menschen kommen. Es sind Momente, Erfahrungen, in denen ich das Gefühl, ja sogar immer mehr die Gewissheit habe, dass hier die Kraft Gottes, der Geist Gottes, der heilige Geist wirkt.

Er schenkt mir Liebe, wo ich nicht mehr lieben kann. Er gibt mir Worte ein, wo ich sprachlos bin. Er gibt mir Kraft zum Handeln, wo ich selbst gelähmt bin. Er öffnet mir die Augen und Ohren, wo ich nichts mehr sehen und hören kann.

Das sind Erfahrungen, in denen ich ein Wirken feststellen kann, welches ich nicht mehr mit eigenen Kraft-Ressourcen erklären kann. Sondern nur mit einer lebendigen Kraft, die von außen kommt. Wenn ich mit einer solchen Kraft rechnen kann, wenn ich diese erfahren kann, dann kann ich auch den Glauben zulassen, dass diese Kraft, die Kraft Gottes uns aus dem Tod zu neuem Leben erweckt.

Christus ist erstanden, er ist wahrhaft auferstanden!

Amen.

Tempelreinigung

Wort zum Sonntag – 3. Fastensonntag – erschienen am 02.03.24 im Hohenloher Tagblatt und Haller Tagblatt

Wenn Sie das hier lesen …
… was erwarten Sie dann?
Nichts? Weil Sie mit Gott, Kirche und dem Wort zum Sonntag sowieso nichts mehr anfangen können; dies nur lesen, um sich zu zerstreuen?
Oder weil Sie etwas suchen, was Ihren Glauben, Ihre Meinung und Handeln rechtfertigt, bestätigt und bestärkt?
Oder weil Sie hoffen, dass ein neuer Gedanke auftaucht, der Bisheriges in neuem oder anderem Licht erscheinen lässt?
All dies sind Erwartungen, die dem eigenen, dem unsrigen – ich schließe mich mit ein – dienen.
Damit sind wir wie die Händler im Tempel, welche Jesus vertreibt. Auch sie nutzen religiöse Vorstellungen und Riten so, dass ihnen ein eigener Vorteil entsteht. Es gibt keine Grenze, ab wann dies bedenklich wird. Es ist egal, ob es nur meinem Befinden oder dem Anhäufen von Vorteilen, gar von Geld oder Macht dient.
Jesus reinigt den Tempel weil er nicht ein Ort des Handels mit anderen Menschen, gar mit Gott ist, sondern ein Ort, an dem ich mein ganzes Leben vor Gott trage um es ihm darzubieten. Nicht zu dem, was mir gefällt, was mir gut tut, sondern zu dem, was Gott von mir will. Und das kann unbequem, ja sogar aus weltlicher Sicht zu meinem Nachteil sein.
Vieles von dem, was auch von „Kirchens“ angeboten wird, erscheint mir wie ein bunter Jahrmarkt um den Menschen etwas zu verkaufen, um die Bedürfnisse der Menschen zu bedienen und sie für die Kirche – die eigene Sache (!) – zu gewinnen. Oder zumindest wieder etwas wohlwollender zu stimmen. Hinter Vielem versteckt sich der Wunsch, dass die Welt uns bestätigt, anerkennt und mag.
Damit sind wir wie die Händler, die Jesus vertreibt: es geht nicht mehr um Gott sondern um uns selbst und unser weltliches Wohl.
Das klingt hart, unbarmherzig, gleichgültig gegenüber menschlichen Bedürfnissen, ja gar Heilung und Heil.
Die Frage ist aber nicht ob Heil oder nicht Heil, sondern welches?
Unsere Vorstellung von dem, was gut ist, was Heilung und Heil bringt, sind immer in der Gefahr, zu weltlich und zu eigennützig zu sein. Mit diesen Versuchungen wurde auch Jesus in der Wüste konfrontiert. Was hätte Jesus mit all den Angeboten des Teufels auch vermeintlich Gutes in der Welt bewirken können?
Was ist wirklich das richtige, wem diene ich wirklich?
Um das rauszufinden, sind wir gerade jetzt in der Fastenzeit angehalten, alles was uns lieb und teuer ist, an der Schwelle des Tempels, der Kirche, des Gottesdienstes abzulegen und ohne meinen Rucksack voller eigener Ideen in die Gottesbegegnung zu gehen und ihm zu vertrauen und zu sagen: „Hier bin ich, mach mich zu deinem, nicht meinem, Werkzeug!“