Leserbrief zum Klartext „Leiser Alarm“ in Katholisches Sonntagsblatt Nr. 34 • 25. August 2013

Vielen Dank für diesen Klartext, für die Aufmerksamkeit zu diesem Thema! Alles was hier gesagt wird, kann ich unterstreichen! Nur eins will ich noch anmerken: Die Qualität in der Pflege wird [vor allem] kaum allein dadurch verbessert, dass man sie mit fragwürdigen Messinstrumenten prüft, oder dadurch, dass Angehörige aufmerksamer werden, sondern wenn man auch bereit ist, die Voraussetzungen, die Ressourcen für Qualität zu schaffen, wenn man bereit ist, in Qualität zu investieren. Wie viel steckt denn zum Beispiel ein Autohersteller in die Entwicklung aber auch in die Ressourcen seiner Mitarbeiter um hochqualitative und sichere Autos zu bauen? Jeder sieht hier sofort die notwendigen Zusammenhänge und befürwortet die notwendigen Investitionen. Jeder, der [Wer] ein gutes Auto will, ist auch bereit dafür den Preis zu zahlen. Was aber ist mit der Pflege? Reformen bleiben in Schubladen, gerechte Löhne werden hart be- oder umkämpft. Die soziale Ader, die Aufopferungsbereitschaft der Pflegenden wird bis aufs Blut ausgenutzt. Menschen, die man sonst nirgends mehr auf dem Arbeitsmarkt haben will, werden in die Pflegeberufe gedrängt – egal ob motiviert und geeignet oder nicht (paradoxer Weise will man aber die Pflegefachkräfte akademisieren!). Viele verdienen mit einem Vollzeitjob kaum genug zum Leben, viele haben notgedrungen mehrere sich teils gegenseitig behindernde Teilzeitjobs um sich über Wasser halten zu können. Das alles bei einer fast nicht mehr auszuhaltenden Arbeitsbelastung! Wir in der Pflege sind schon lange „Bahnhof Mainz“. Wenn sich hier nicht bald etwas ändert, dann wird es eine Katastrophe geben, neben der die Bahnhofstragödie nur wie eine Komödie erscheint. Und diese Katastrophe ist dann nicht mit dem Ende der Urlaubszeit behoben. Nein, weil dann nämlich auch die stärksten Pflegekräfte nicht mehr alles auffangen können. Dann wird die ganze Pflege wie in einer unaufhaltbaren Kettenreaktion, wie ein Kartenhaus zusammenbrechen und es wird nichts mehr übrig bleiben weil dann niemand (NIEMAND!) mehr da ist, der die Arbeit weiter macht. Aber auch dann wird sich höchstwahrscheinlich niemand wirklich für die wahren Gründe interessieren sondern die Schuld wieder mal nur bei den Pflegekräften suchen. Denn die sind es ja, die die falschen Medikamente geben haben, die einen Bewohner vergessen haben, etc. etc. Dass diese Fehler Menschen passieren, die alle mal hoch motiviert in diese Pflegeberufe gestartet sind, nun aber vor lauter Not nicht mehr wissen, was sie denn als nächstes tun sollen um noch schlimmeres zu verhindern, dass dies Menschen passiert, die nicht mehr wissen wo ihnen der Kopf steht, die zuhause noch im Schlaf, in ihren Träumen weiterarbeiten und nacharbeiten was sie im Wachzustand nicht mehr fertig gebracht haben, das will niemand wissen! Ich wünsche mir, dass unsere Kirchen statt sich um sich selbst zu drehen, endlich ihre gesellschaftliche, christliche und auch arbeitgeberische Verantwortung wahrnehmen und hier schnellstmöglich aktiv werden und dieses Thema in Gesellschaft und Politik mit unerbittlichem Nachdruck auf den Tisch bringen. Diakon Harald Sittart, Pflegedienstleiter in einem Pflegeheim. Anmerkung: Veröffentlicht in: Katholisches Sonntagsblatt Nr. 36 • 8. September 2013 Kursiv und grau gedruckt: von der Redaktion gekürzt, in []-Klammern gesetztes: von der Redaktion hinzugefügt.

Spara

Dr Oborschwob häd gsaid: „Mir missad spara!“ Dem sei Nochbor häd dodruff gsaid: „Schofseggel! –Wenn älles zdeuer isch, isch d beschd Sparmethode, sich kombled selbschd abzomschaffa – weil no brauchsch nix me!“

Wie viele ...

Eine fiktive Umfrage: Wie viele Menschen glauben noch an einen Gott? Sehr viele! Wie viele Menschen glauben noch an Jesus als den Sohn Gottes? Viele! Wie viele glauben noch an die Auferstehung? Nicht mehr viele! Wie viele glauben an eine Wiedergeburt? Sehr viele! Wie viele glauben an Engel? Sehr viele! Wie viele gehen nur noch an Weihnachten in die Kirche? Sehr viele! Wie viele wissen noch, was an Weihnachten, Ostern und Pfingsten gefeiert wird? Nicht mehr viele! Wie viele Menschen gehen wohl noch regelmäßig in die Kirche? Nicht mehr viele! Von den Wenigen, die noch in die Kirche gehen, wie viele von ihnen gehen noch in einen katholischen Gottesdienst? Nicht mehr viele! Wie viele, die nicht mehr in die Kirche gehen, egal welcher oder gar keiner Konfession, haben den Wunsch an die Katholische Kirche, dass sie sich ändert? Sehr viele! Wie viele hoffen, dass der nächste Papst alles anders macht? Sehr viele! Wie viele von all denen fänden es dann gut, wenn Priester heiraten dürften? Sehr viele! Wie viele von all denen fänden es dann gut, wenn Frauen zur Weihe zugelassen würden? Sehr viele! Wie viele von all denen fänden es dann gut, wenn Papst, Bischöfe, Priester und Diakone von Laien gewählt würden? Sehr viele! Wie viele fänden es dann gut, wenn die Kirche ihre Gesetze über Bord werfen würde? Sehr viele! Wie viele von all denen fänden es dann gut, wenn die Gottesdienste „fetziger“ wären? Sehr viele! Wie viele von all denen würden sich dann vornehmen, wenn all das eintreten würde, öfters in die Kirche zu gehen? Sehr viele! Wie viele von eben genau all denen wären dann – wenn all das endlich eingetreten ist – tatsächlich bereit, dafür an den meisten Sonntagen nicht auszuschlafen, nicht zu joggen, nicht zu biken, nicht gemütlich zu brunchen, nicht mit dem Fußball- Handball- oder Volleyballverein auf ein Turnier zu gehen, nicht einen Tagesausflug zu machen? Ich fürchte, nicht viele! Wie viele wären dann auch noch bereit, aus ihrem Glauben heraus sich für andere Menschen einzusetzen, ihren Glauben zu bekennen, wenn es sein muss unter Einsatz ihres Rufes oder gar ihres Lebens? Ich fürchte, sehr wenige! Herr, gib mir Kraft und Mut, an dich zu glauben, dich zu bekennen, in deinem Namen den Menschen zu dienen, zu deiner Kirche zu stehen, egal was kommt!

Herbstlaub

Es fallen die Blätter, die bunten, vom Wind gelöst zur Erde nieder. Mit dem Besen vereine ich sie, zu einem großen Haufen. Leuchtend liegt er da, Frucht des Sommers, Ernte des Herbstes und Zeuge meiner Arbeit. Fährt der Wind, der sie gelöst noch einmal drüber, und löst sie wieder. Löst den Zeugenberg meiner Mühen auf, zerstäubt ihn in alle Winden Richtungen. Doch ich, der bemüht ist, der Welt Ordnung zu geben, ergreife erneut den Besen. Sammle wieder was gelöst, häufe wieder was Zeugnis geben wird von meiner Arbeit. Doch welch Schöpfers Chaoskräfte walten in einem fort! Wieder, immer wieder fahren sie über meines Laubes Hort, Tragen jedes Blatt immer wieder an einen andren Ort! Was soll ich tun? Das Laub schon vor dem Herbst vom Baume reißen? Den Wind mit unbekannten Kräften binden? Dem Besen in der Rechten, einen Besen in der Linken zur Seite stellen? Das Laub mit Steinen beschweren oder mit Leimen hindern? So ziehe ich betrübt von dannen, lass stehen alle Besen. Wie ich so laufe fort, sehe ich an einem schatt‘gen Ort, wie der Wind von ganz allein, sammelt alles Laub nun ein. Hängen bleibt‘s wie von Geisterhand an einer großen Steinenwand. Was bin ich? Was andres als ich denk? Was Richtiges am falschen Ort? Was Falsches am richtigen Ort? Zu klein, zu langsam, zu dumm? Nichts von alle dem! Macht ich nur die Augen auf, und sehe nicht mein, sondern der Dinge Lauf. Nehm an, was gegeben ist, und kämpf nicht weiter an, gegen Winde die nicht zu bänd‘gen sind. Und wie ich so sitze und sehe, die Dinge so langsam verstehe, erkenne ich mit einem Stechen im Herzen und doch voll Erleichterung: Dies Geschehen steckt nicht nur im Laub. Überall begegnet‘s mir – der Wind, es ist das Leben, das lebendiger ist, als ich es mir erlaub.

Beruf und Berufung

Was ist der Unterschied zwischen Beruf und Berufung? Beruf bringt Geld. Berufung kostet dich dein Leben.

Die Freiheit

Ein Junge traf am Ufer eines Sees einen alten Mann, dieser hatte vor sich ein Segelbootmodell aufgerichtet und war nun gerade dabei, aus dem Lehm des Ufers kleine menschliche Figuren zu formen. Neugierig und begeistert schaute der Junge zu. Der alte Mann setzte die Lehmfiguren auf das Segelboot, nahm das Boot in beide Hände und hauchte die Lehmfiguren an. „Was machst Du da?“, fragte der Junge verwundert. „Ich hauche ihnen Leben ein, damit es Matrosen werden.“ antwortete der alte Mann. Während der Junge sprachlos den alten Mann, das Segelboot und die Figuren anschaute, setzte er alte Mann das Segelboot ins Wasser. Der Wind ergriff die Segel und ließ sie wild flattern. Die zum Leben erweckten Figuren erkannten, dass sie Matrosen waren und zogen die Segelleinen an. Das Segelboot nahm Fahrt auf und glitt auf dem Wasser dahin. Der Junge war fasziniert und jubelte: „Ein solch tolles Segelboot habe ich noch nie gesehen!“. Als das Segelboot die Mitte des Sees erreicht hatte, wurde der Wind stärker und neigte das Boot bedrohlich zur Seite. „Du musst das Boot zurück holen sonst wird es kentern und untergehen und die Männchen werden ertrinken!“ rief der Junge voller Angst dem alten Mann zu. Dieser schaute den Jungen fragend an und entgegnete schließlich mit einem leicht empörten Ton: „Das ist ein Segelboot und die Figuren sind Matrosen, Matrosen sind Männer der See, alles was auf dem See geschieht macht ihr Leben als Matrosen aus. Sie sind frei, egal was passiert!“ Aber sie werden untergehen, tu etwas!“ entgegnete der Junge. „Ich werde nichts tun, ich werde dieses Schiff nicht zu meinem Spielzeug und die Matrosen nicht zu Marionetten machen, sie sind Seemänner!“ murmelte der alte Mann. Der Wind wurde stärker, und der Junge schrie auf: „tu endlich etwas, sonst geht das Schiff samt den Matrosen verloren und alles war um sonst!“. Der alte Mann schien ihn nicht zu hören und schaute wortlos dem Segelboot nach. Schließlich brachte tatsächlich eine kräftige Böe das Segelboot zum kentern, die Wellen schlugen über das Segelboot und es begann zu sinken und es nahm all seine Matrosen mit in die Tiefe des Sees. Dem Jungen stiegen Tränen in die Augen und er sah den alten Mann vorwurfsvoll an. Der Alte Mann jedoch legte seine Kleider ab und stieg in den See, er schwamm zur Mitte des Sees, tauchte dort hinab und holte das Segelboot samt der Matrosen wieder empor. Als er mit dem Segelboot und den leblosen Matrosen das Ufer wieder erreicht hatte und an Land stieg, sprach der Junge resigniert: „Das hättest Du mal vorher tun sollen!“. Der alte Mann schaute den Jungen mit ruhigem, tiefem Blick lange an, dann sprach er: Bevor Du das alles gesehen hast, hättest Du geglaubt, dass jemand Lehmfiguren zum Leben erweckt?“. „Nein.“ gab der Junge leise und verunsichert zur Antwort. „Nun bist Du eines besseren belehrt?“ fragte der alte Mann. „Ja.“ antwortete immer noch verstört der Junge. Dann frage ich dich jetzt: „Wenn Du etwas so unglaubliches nun gesehen hast, was hindert dich daran zu glauben, dass ich diese Figuren noch einmal zum Leben erwecke?“. Der alte Mann schaute den sprachlosen Jungen noch einen Moment herausfordernd an, dann nahm er das Segelboot und die Lehmfiguren, drehte sich um und ging fort. Der Junge starrte dem Mann wortlos hinterher. Als der alte Mann schon längst aus seinem Blick verschwunden war, stand er noch immer da, mit einem Blick, der aussah, als würde er weit über das Ende dieser Welt hinaus etwas erspähen.

Das Nichts, das Sein und das Universum in seiner immer schnelleren Ausdehnung

Das Nichts ist nicht das Nichtvorhandensein von etwas – so wie z.B. die Dunkelheit das nicht Vorhandensein von Licht ist – denn die Dunkelheit definiert sich durch bzw. bezieht sich auf etwas, nämlich das Licht. Somit ist Dunkelheit auch etwas. Das Absolute Nichts aber ist nur dann nichts, wenn es in keinem Bezug zu irgendetwas steht. Da es aber etwas gibt, nämlich alles was ist, ob Staubkorn, Gedanke, oder Universum, kann es in unserer Realität das absolute Nichts nicht geben (also auch nicht den Tod). Wenn es aber das Absolute Nichts einmal vor allem was ist gegeben haben sollte – und das ist dann auch schon wieder ein Bezug – dann hielte dass Nichts sich selbst nicht aus, dass absolute Nichts würde in sich selbst verschwinden. Eine Implosion des Nichts in sich selbst. Aus dieser Implosion würde aufgrund der Tatsache dass eine Implosion etwas ist, etwas entstehen, nämlich das Gegenteil: eine Explosion des Sein. Dieses Sein wäre das Gegenteil von Nichts und in letzter Konsequenz unendlich. Demnach wäre der Urknall nicht eine Ausbreitung von einer begrenzten Menge von Elementen sondern eine unendliche Neuentstehung und Ausbreitung von Existenz. Die Erschaffung der Welt dauert also noch an?!

Orgel – Welt

Nur weil nicht das Geschieht, was wir von einem Gott erwarten, … … können wir nicht sagen: „Es gibt keinen Gott“. Denn vielleicht ist es so: Gott würde ja gerne etwas tun, aber wir lassen es nicht zu, weil wir zu sehr voll sind von dem, was wir glauben, was richtig wäre zu tun – so voll, dass Gottes Tun gar keinen Platz mehr hat in unserer Welt. Vielleicht kann Gott erst dann handeln, wenn wir aufhören zu handeln, wenn wir wahrhaft loslassen und akzeptieren, dass wir nicht das Größte und einzige sind im Universum.

Kaiser – Musik – Entweltlichung

Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser und Gott, was Gott gehört: Welche Musik ist die wahre liturgische Musik? Da produzieren Interpreten, welche sich „Gregorian – Masters of Chant“ nennen, mehrfach prall gefüllte CD‘s mit weltlichen Hits gesungen im Stil gregorianischen Gesanges. Und alle Welt, ob kirchlich sozialisiert oder nicht, kauft diese Musik. Warum? Vermutlich deshalb, weil ihnen das besondere, das ungewöhnliche an diesen eigentlich schon tausendmal gehörten Hits gefällt. Sie alle spüren, dass die „Sprache“ dieser „gregorianischen Interpretation“ etwas besonderes ist, etwas, was dem schon tausendmal gehörten einen anderen „Mehrwert“, eine andere Dimension gibt. Diese „Gregorians“ tun dies sehr erfolgreich! Und was tun „Kirchens“? Wir Liturgie-Verantwortlichen tun genau das umgekehrte: Wir packen geistliche, liturgische Texte in eine musikalische Sprache, die sich an weltliche Musik anlehnt, sie nachahmt, meist aber damit weit hinter dem bleibt, was tatsächliche weltliche Musik vermag. Man will vermutlich modern, zeitgemäß und jugendlich wirken. Erfolgreich? Viele Jugendliche, die nicht kirchlich sozialisiert sind, die mit solcherlei Musik bei Firmungen und anderen Events beglückt werden, zucken mit den Schultern oder machen sich sogar lustig darüber weil sie die Anbiederung dahinter erkennen. Auch hier täte eine „Entweltlichung“ gut.

Kreuz

Wer das Kreuz als Zeichen der Unterdrückung und Gewalt, als Instrument der Indoktrination sieht, betrachtet es aus der Perspektive derer, die ihm gegenüber stehen und es als Folter- und Mordinstrument einsetzten – gleich den römischen Besatzern, die Jesus ans Kreuz nagelten. Als Christ kann man das Kreuz aber aus der Sicht Jesu oder auch des Mannes betrachten, der neben Jesu gekreuzigt um dessen Erbarmen bittet. Also vom Kreuz des Einen zum Kreuz des Anderen. Dann ist das Kreuz das Zeichen größtmöglicher Solidarität mit allen Menschen, die Opfer oder missbrauchtes Werkzeug von Gewalt und Unterdrückung sind. Dann wird das Kreuz zum Protest gegen Unterdrückung und Gewalt, wird Zeichen der Hoffnung.

Es gibt keinen Gott

Nur weil nicht das Geschieht, was wir von einem Gott erwarten, können wir nicht sagen: „Es gibt keinen Gott“. Denn vielleicht ist es so: Gott würde ja gerne etwas tun, aber wir lassen es nicht zu, weil wir zu sehr voll sind von dem, was wir glauben, was richtig wäre zu tun – so voll, dass Gottes Tun gar keinen Platz mehr hat in unserer Welt. Vielleicht kann Gott erst dann handeln, wenn wir aufhören zu handeln, wenn wir wahrhaft loslassen und akzeptieren, dass wir nicht das Größte und Einzige sind im Universum.