Ökumene

Gemeinsames Abendmahl?

In Ravensburg schlagen die Wogen hoch – aber nicht mehr nur dort. Viele Reaktionen vermitteln mir, dass man mit theologischem Diskurs heutzutage nicht mehr weiter kommt. Man will sich vielleicht gar nicht mehr die Mühe machen, ahnt, dass dann der andere doch recht haben könnte. Und zugeben, dass man es sich zu einfach macht, kostet Kraft. Also werden die Gegner in eine Ecke gestellt, Klischees bemüht und sich selbst stellt man als Unterdrückten dar. Jedes Argument wird dann zur Misshandlung. Vielleicht hilft da ein Vergleich, ein Gleichnis: ist es denn nicht mit dem voreilig herbeigesehnten, ja erzwungenen Gemeinsamen Abendmahl wie mit vielen Wochenendbeziehungen? Man will wenigstens die schönsten Tage der Woche gemeinsam mit den schönsten Dingen verbringen. Die Erwartungen sind hoch. Doch diese Wochenendbeziehungen scheitern oft daran, das einer oder beide im Letzten nicht breit sind, ihre jeweils eigene Wohnung, ihren Lebensort, Arbeitsplatz, Freundeskreis für die echte und volle gemeinsame Zukunft aufzugeben. Unter der Woche klagen sie jeweils ihrem besten Freund/ihrer besten Freundin ihr Leid, vielleicht schimpfen und lästern sie sogar aus Frust und Unzufriedenheit über den Anderen. So wird es auch mit den ökumenischen Partnern sein. Sie versammeln sich zwar um einen gemeinsamen Tisch. Aber an diesem sind sie sich doch schon nicht einig, was das gemeinsame Mahl bedeutet. Dann gehen sie anschließend wieder auseinander und die einen wollen lieber bei ihrer Lutherbibel bleiben, die anderen ihre Heiligen weiter verehren. Die einen wollen weiterhin kein Amt und nur die notwendigsten Sakramente und verbannen alles was nicht wirklich in der Bibel steht als heidnisch um sich gleichzeitig aber dem Zeitgeist anzunähern. Und die anderen wissen genau, wenn sie das Heilige zu sehr profanisieren, dann verlieren sie ihren Wesenskern. Und sie erheben im Gegenteil sogar scheinbar alltägliches mystagogisch zum Sakramentalen weil sie in allem letztlich Gott erkennen. Und sie wissen genau, dass sie nicht von dieser Welt sein sollen. Und so klagen sie unter jeweils ihresgleichen über den anderen und erkennen irgendwann, dass die Beziehung von Anfang an zu schwierig, die Erwartungen zu hoch gehängt waren und dass es besser ist, wenn man sich trennt und jeder seinen Weg geht.